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Agricola: Wunderbar mobil
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Monsieur Guido
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Agricola: Wunderbar mobil

Par Monsieur Guido , 13 juin 2013 à 11:37
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Heute ruht die iOS-Brettspielerszene. Weshalb, fragen sich nun die Nicht-Digitalisten und Androidiker. Na, weil Agricola für iOS in der Nacht erschienen ist. Jetzt spielen alle. Ich durfte gestern schon dank exzellenter Kontakte und (vor allem) extrem gutem Aussehen schon ein wenig früher mit einer Vorabversion herumspielen und muss Euch eines sagen: Ich bin entzückt. 



Frühjahr

Fangen wir mal von vorne an: Das Tutorial führt alte, aber eingerostete Agricola-Veteranen wie mich innerhalb einer halben Stunde über mehrere Etappen wieder ein und erklärt hübsch, wie man den Hof ausbaut, Äcker pflügt, Steine sammelt und Herde baut. Dabei greift die App auf Begriffe zurück, die ich bisher noch nicht kannte: "Hausbauten". Allerdings ist der Neologismus gekonnt: Haus und Ausbauten einfach zu einem neuen Wort zusammenzuziehen zeugt von sprachlichem Einfallsreichtum. Das ist dann aber auch der einzige Punkt, an dem ich minimalst zu Meckern habe. Und die Musik. Das höfische Renaissance-Geklimper am Spinett habe ich exakte 23 Minuten ausgehalten, danach wurde sie auf leises Hintergrundgedudel degradiert. Und ein Chat fehlt.



Zweimal Frühjahr, dafür kein Winter. Schön wär's ja.

Sommer

Agricola nutzt die Möglichkeiten des iPads wunderbar aus: Die Umsetzung ist nur dort 1:1, wo genau das auch wichtig ist: Beim eigenen Hoftableau. Bei den Aktionen ist das anders: Da entsteht aus der eher nüchternen Aneinanderreihung der Karten aus der Vorlage ein lebendiges Dorf, das wir von oben betrachten: Hühner laufen herum, der Zimmermann hackt Holz und Rauch zieht aus den Schornsteinen. Agricola schafft es, die Grenze zu einem Farmville anzuschneiden, ohne den Geist des Brettspiels an stumpfsinniges Social Gaming zu verraten. 

Der Charme liegt vor allem an den liebevollen Details. Beispiele? Gern. Wer Startspieler ist, der hat einen Gockel im Icon. Klar, weil er am frühsten aufsteht und immer als erster zu den Häuser schlendert. Oder Jahreszeiten. Wir spielen jede Runde in einer anderen Jahreszeit und entsprechend ändert sich das Aussehen des Dorfs. Sattes Grün im Frühling; im Herbst verwandelt sich alles in gelb-orange Farbtöne, im Winter, wenn es am Ende der Runde darum geht, die eigene Familie zu ernähren, schneit es. Im Grunde ist das völlig unnötig und deswegen im Brettspiel nonexistent, aber hier, in einem optischen Medium, vollkommen plausibel.

Agricola schafft es, das Brettspiel in seiner digitalen Inkarnation sogar noch aufzuwerten. Denn für mich war das Bauernhof-Managemant stets eher ein abstraktes Verwaltungs- und Optimierspiel. Und plötzlich kommt Leben in den Laden. Wenn sich alles bewegt, Schafe blöken und Bretter zersägt werden, wird das Narrative im Spiel viel deutlicher spürbar. Das gefällt mir unheimlich gut. Die Familie bekommt ein Gesicht, ihr Schicksal ist mir plötzlich viel wichtiger geworden. Bettelkarten sind wie schamvoll verborgene Anschreiben des Arbeitsamts. 


Herbst

Alles richtig gemacht, Playdek? Ich würde sagen: Ja, mal wieder. Für 6 Euro bekommen wir eine universale App mit Basisspiel, Familienspiel, Soloversion und dem Komplettspiel samt dreier Draft-Möglichkeiten. Der Onlinemodus verlangt nun einen eigenen Account. Dafür habe ich ELO-Ranking und die von Playdek eingeführte Wahlmöglichkeit, unterschiedlich lange Spielzeiten einzustellen. Wer eine schnelle Online-Partie will, stellt 30 Minuten ein und kann sicher sein, dass alle Teilnehmer am Platz sind. Wer es asynchron braucht, kann bis zu 45 Tage an einem Spiel knödeln. Was noch? Ich kann verschiedene Profile anlegen: Eins für mich, eins für Lady Heinecke, wenn sie mal am Gerät spielt und nicht meine Siegesquote verbess... manipulieren soll und eins für Doc Abstracto. 

Für's erste ist nur das E-Deck drin, der Rest folgt per In-App-Kauf. Das war zu erwarten, ist den Programmierern aber nicht zu verübeln. 


Entweder man geniesst das bunte Dorfleben...

...oder lernt erstmal die Aktionsmöglichkeiten kennen.

Winter

Lange hat uns Playdek warten lassen (Erstankündigung im September 2011), die Geduld hat sich aber wirklich gelohnt. Vergleichen wir Agricola mit Uwe Rosenbergs Nachfolgespiel Le Havre, das ja schon einige Zeit irgendwo auf meinem iPad herumgeistert. Wo Codito mit Le Havre möglichst versuchten, die Fitzeligkeit getreu der Vorlage zu simulieren und ein ohnehin komplexes Spiel durch seine Informationsflut für mich an den Rand der Unspielbarkeit zu verfrachten, ist Agricola erstaunlich leichtgängig, übersichtlich und aufgeräumt.

Ich wünsche der Agricola-App den gleichen Erfolg wie dem Brettspiel. Das Zeug dazu bringt es mit - allein die Gewichtsreduktion ist doch super! Ihr spielerischer Nährwert wird unseren langfristigen Hunger nach gut umgesetzten Eurogames noch lange stillen können. 


- Agricola von Playdek im iTunes App Store für 5,99 €

Par Monsieur Guido , jeudi 13 juin 2013 à 11:37