Das H-Team
Geschrieben von Guido Donnerstag, 15 Dezember 2011 - 09:20
Gespielt: Tschak!

Tschak! Swuuush! Bä-Bämm! So macht es, wenn drei gestandene Fantasy-Helden im Dungeon aufräumen. Denke ich mal, so was ist heute ja eher selten geworden. Es wird gekloppt, gehext und geplündert, um schrecklichen Monstern wertvolle Kunstgegenstände aus den Händen zu reißen. Die gehören schließlich in ein Museum. Und auch wenn Tschak! lautmalerisch danach klingt: Es ist kein Hieb- aber ein Stichspiel.
Dominique Ehrhards furiose Mischung aus Dungeonthematik und Kartenzockerei sieht auf den ersten Blick schon liebenswert aus. Die Illustrationen von Vincent Dutrait sind stimmungs- wie humorvoll und manchen Charaktere, den er da auf der Hand hat, erkennt der Spieler auch gleich wieder: "Das ist doch Conan!", "Der da sieht aus wie ein verratzter Harry Potter!", "Und da: Brummbär aus Schneewittchen kann Kung Fu!" Diese Mischung verschiedenster Fantasyheroen ist schon ganz eigen, das Spielsystem auch:

Wer Höhenangst hat, der sollte liegen in dunkle Verliese steigen.
Für die Spieler giult es, in der Partie vier Türme mit je drei Etagen auszuräumen. Auf jeder Etage wartet je ein Schatz und ein Monster auf ihre Helden. Jeder Spieler baut sich ein Helden-Team aus drei Karten zusammen und wer den höchsten Punktewert zusammenbekommt, der greift den Schatz ab; der mit den wenigsten nimmt dafür das Monster mit heim. Und weil Monster nun mal seit jeher unter schlechter PR leiden, zählen sie Minuspunkte. Bei den Karten gibt es im Prinzip drei Farben: Rot (Zwerge), Grün (Krieger), Blau (Magier) – jede mit ihrer eigenen Punkteverteilung. Die Werte der Menschenkarten reichen von 1 bis 6, die der Zwerge nur von 1 bis 4 – sind dafür aber breiter verteilt (Zwerge sind eben so). Dazu hat jeder noch ein Artefakt in Rosa, einer vierten, kleinen Farbe. Jeder Spieler bekommt zu Spielbeginn drei Karten jeder Farbe ausgeteilt plus ein Artefakt. Und Abmarsch!
Turm eins wartet: Stock für Stock stellt sich jeder Spieler immer einen Dreiertrupp an Karten zusammen, die aber stets aus verschiedenfarbigen Karten bestehen müssen. Zweimal Rot plus Blau geht also beispielsweise nicht.
Im ersten Stock legen die Spieler ihre Karten einzeln ab. Jeder seine erste, dann die zweite, schließlich die dritte. Auf Etage zwei legt jeder erst eine, danach zwei aus. Im Penthouse schließlich werden mit einem Schwung drei Karten ausgespielt. Am Ende hat jeder noch eine Karte übrig. Dieser letzte Charakter sammelt die restlichen Goldmünzen ein, die hier und da noch rumliegen: Der Spieler mit dem höchsten Wert bekommt drei Gold, der nächste zwei, der letzte eins.
Die nächste Runde wartet, und jetzt kommt der große Gag an Tschak! Alle Spieler geben ihre Karten für die Folgerunde an den linken Nachbarn weiter. Das heißt: Jeder spielt mit der Kartenhand, die sein Vorgänger schon hatte und muss wiederum selber das Beste daraus machen.
Nach vier Rundgängen in vier Türmen ist Schluss. Es gibt Punkte für Goldmünzen, Schätze, Abzüge für Monster und die begehrten exponential steigende Punkte für die magischen Ringe: Einer ist am Ende einen läppischen Punkt wert, gleich fünf zu haben bedeutet unschlagbare 25! Dungeons & Dragons- und Claustrophobia-Spieler wird im Übrigen so manches Monster bekannt vorkommen, soviel sei verraten.

Tschak! hinterlässt einen positiven Eindruck: Die Optik macht Spaß, das Bluffen und Zocken ist reizvoll und wird meistens nach dem Spiel noch mal durchdiskutiert und ausgewertet. Dominique Ehrhard ist ein ungewöhnliches Stichspiel gelungen, dessen Thema natürlich aufgesetzt wirkt. Aber es ist ein Stichspiel, welches Thema würde sich da schon nahtlos integrieren lassen - auch bei Wizard stechen sind bunthäutige Fantasygestalten gegenseitig aus. Im Gegenteil, die abenteuerliche Turmplünderung tut keinem weh und ist amüsant.
Gerade in den unteren Stockwerken muss man genau planen, was mal in der Runde erreichen will und womit die Mitspieler eröffnen: Liegt ein Artefakt aus (das immer den Wert der niedrigsten eigenen Karte verdoppelt), ist das eigentlich schon eine Ansage, dass hier einer in die vollen greifen will und womöglich gleich einen 4er oder 5er legt. Das Chamäleon mit dem Fragezeichen ist ein (blauer) Magier, der bei der Auswertung den höchsten anderen Magier kopiert. Liegen aber nur Chamäleons, haben die den Wert 0 und sind somit gar nichts wert. Im ersten Stock kann man noch etwas mehr taktieren, sollte aber schon wissen, was man weiter oben gerne legen würde. Und gerade im weiteren Spielverlauf weiß man ja, was die anderen so ungefähr haben, weil man vorher selbst das beste aus dieser Kartenhand holen wollte.
Dieses Prinzip egalisiert sehr schön alle Spieler. Denn egal, ob es in der Partie eine Super-Hand mit vielen hohen Zahlen gibt oder alles nur durchschnittlich ist – jeder Spieler muss einmal damit zurechtkommen. Denn jeder stellt seine Abenteurer-Trios anders zusammen.

Zugegeben: So ein echtes Stichspiel ist Tschak! in seinem Kern nun doch nicht, denn man muss nicht Farben bedienen und es gibt auch keinen Trumpf. Und trotzdem heißt es: Aufpassen, den „Stich“ kassieren und gekonnt seine Handkarten spielen. Vielleicht haben die Eidgenossen bei GameWorks auch das ungewöhnliche Dungeonthema drübergepinselt, weil Tschak! einfach ein ungewöhnliches Stichspiel ist.
Das Gefühl von strategischem Tiefgang fehlt, den will Tschak! aber auch nicht vortäuschen. Die Regeln sind schnell verinnerlicht, die Partien dauern nicht zu lange und der intelligente, interaktive Mechanismus macht Spaß. Was soll ein geselliges Kartenspiel auch mehr bieten dürfen? Für 20 Euro bekommt man ein hübsches Spiel für unterwegs oder zum Vorglühen beim Spieleabend, das sich zu viert wie auch zu zweit toll spielt.
Hier hatten wir die Ankündigung mitsamt Vorschau.
Tschak! ist ein Spiel von Dominique Ehrhard, illustriert von Vincent Dutrait
Erschienen bei GameWorks/Asmodee
Für 2 bis 4 Abenteurer ab 13 Jahren
Preis: Rund 20 €