Der Fürst und seine Burgen
Geschrieben von Montag, 11 April 2011 - 08:33

Gespielt: Die Burgen von Burgund


Liegt es an einem neuen Trend oder gar der Liebe eines Autors zu einem gewissen Thema? Spiele, die im Mittelalter angesiedelt sind, mögen wir ja ohnehin, keine Frage. Denn damals war das Leben noch ehrenvoll, man handelte und konnte sein Glück mit der eigenen Hand schmieden. Da war noch echter Unternehmergeist gefragt. Aber Frankreich im Mittelalter, das ist momentan irgendwie angesagt: Caylus legte vor (ist ja auch ein französisches Spiel), aber jetzt gibt es noch Troyes, Strasbourg und eben Die Burgen von Burgund. Das fällt doch irgendwie auf. Oder liegt's an Stefan Feld? Ja, er wohnt im schönen Gengenbach bei Offenburg, da atmet man jeden Tag mittelalterliches Ambiente ein (bei Gelegenheit empfehle ich einen Besuch, ist wirklich sehr schön dort) und Strasbourg sowie BuBu (wie der Kollege Bartsch es nennt) von ihm drücken dies aus? Vielleicht.

Denn wer etwas dieser Tage als Rezensent etwas auf sich hält, der schreibt etwas über Die Burgen von Burgund. Ich weiß wieso. Das ist nämlich ein richtig gutes Spiel. Ich sage euch im Folgenden weshalb. Und das, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen über Rotwein zu verlieren. Versprochen.

Wir sind mal wieder in der Rolle junger, dynamischer und ambitionierter Fürsten mit Hands-on-Mentalität unterwegs, diesmal im Loiretal des 15. Jahrhunderts. Hier hat jeder sein kleines Reich mit Wäldern, Flüssen, Weiden und Städtchen. Im Laufe der nächsten anderthalb bis zwei Stunden (eher mehr als weniger) bringen wir die Region auf Vordermann.
Das Spielprinzip ist simpel, knifflig wird es durch die verschiedenen Zahnrädchen, an denen es zu schrauben gilt und die man erstmal kennen muss. Es geht über 5 Durchgänge à 5 Runden, in der jeder zwei Aktionen hintereinander hat. Zu Beginn eines jeden Durchlaufs wird das Angebot an Plättchen aufgefrischt, dann geht es los. Man würfelt mit zwei stinknormalen Würfeln und darf, wenn man am Zug ist, diese unterschiedlich benutzen:
- Man kauf ein Plättchen aus der Box entsprechend eines Würfels und parkt es zunächst. Drei Stück darf man sammeln, ansonsten fliegt bei Neuerwerb ein altes raus.
- Man legt ein Plättchen auf seinen Spielplan, wieder muss das Feld zu einem Würfel passen. Außerdem darf man nicht irgendwo in der Pampa bauen, sondern muss sich schrittweise ausdehnen.
- Kann verkauft eine Warensorte. Wieder gibt die Würfelzahl vor, welche.
- Wir verbrennen (nicht wörtlich zu nehmen) einen Würfel, um zwei Arbeiter anzuwerben. Diese können im Spiel jederzeit abgegeben werden, um ein Würfelergebnis nach oben, unten oder einmal rum (von 1 auf 6 oder vice versa) zu biegen.
Zusätzlich darf man noch mittels Silberlingen Plättchen aus der geheimnisvollen "Schwarzen Box" kaufen. Und schon ist der nächste Spieler dran!


Wie man sieht, ist Die Burgen von Burgund zu managen kein Kraftakt. Heiß wird es erst, wenn die Plättchen gelegt werden, denn das zieht meistens eine Aktion nach sich: Baue ich eine Schreinerei in eine Siedlung, darf ich mir gleich noch ein beliebiges Gebäude unter den Nagel reißen. Oder einen turm, um mit Siegpunkten vorzugaloppieren. Setze ich auf animalische Monokultur, bekomme ich gleich Siegpunkte. Denn stelle ich zu meinen Kühen noch mehr dazu, werten die alten Kühe gleich noch mal mit. Flussschifffahrt bringt mich in der Spielreihenfolge nach vorne und obendrein Waren für den Verkauf. Silberminen wiederum generieren Einkommen, um feine Extras zu kaufen. Wissen bringt Vorteile im Spiel oder Sonderpunkte bei Spielende. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, da will ich hier nicht jedes Plättchen erklären.
Alles greift wunderschön ineinander und man steht ständig vor der Wahl, was denn nun am sinnvollsten ist. Durch die schnellen Züge muss man nicht lange warten, denn auch Profigrübler kriegen wenig Chancen, ihre zwei Aktionsmöglichkeiten stundenlang geistig durchzuexerzieren. Trotzdem dauern Die Burgen einen Tick zu lange. Die angegebene Spielzeit schafft man wirklich nur, wenn mit dem Spiel erfahrene Personen gleich loslegen und wissen, was sie da tun. Bis dahin gibt es viel zu entdecken.
Und man muss höllisch aufpassen. Einfach nur optimierend vor sich hinzuspielen ist viel zu gefährlich. Ständig will ein wachsames Auge auf die Auslagen der Konkurrenz geworfen werden und notfalls ein Plättchen einem gierig glotzenden Mitspieler weggeschnappt werden, damit bei ihm nicht die Punkte explodieren. Das schafft passive Interaktion, wo sonst keine direkte vorhanden ist.
Trotz allem fällt das Thema ein wenig zurück. Wir legen eben doch Plättchen und haben kaum das Gefühl, tatsächlich unser Fürstentum (das auch irgendwie in seiner Form an Catan erinnert) schön und liebevoll aufzubauen. Es bleibt relativ abstrakt. Beispielsweise sehen die sechs verschiedenen Warensorten bis auf eine farbliche Differenz gleich aus. Nicht nur für Menschen mit Sehschwäche wären unterschiedliche Abbildungen hier wünschenswert gewesen.

Und wo wir es weiter oben von Trends hatten: Auch vom Spielmechanismus her folgt der Titel der momentanen, neuen Lust der sonst bei Euro-Games eher verpönten Würfelei. Stone Age und Troyes hier machten vor, dass ein gutes Spiel auch mit den netten Hexaedern von nebenan launig sein kann. Denn es sind nunmal Aktionswürfel und kein Zugwürfel, deren Zufälligkeit nicht wirklich dramatische Auswirkungen haben.

Die Burgen von Burgund schaffen am Tisch ein durchweg positives Spielgefühl: Wir bauen auf, werkeln an unserem Fürstentum und irgendwie gibt es immer etwas zu tun. Verlorene Züge gibt es im Grunde nicht und Mängel gilt es ebenso wenig zu verwalten. Und eigentlich will man nach der Partie am liebsten gleich noch mal spielen (der 7 Wonders-Effekt), meist ist es dann aber schon zu spät. Also beim nächsten mal dann wieder. Dadurch werden andere Spiele vernachlässig. Tja, Pech. Die Burgen von Burgund sind eben eine der stärksten Neuheiten derzeit und verbannen manch anderes Spiel zurück ins Regal. Alea ist wieder in Höchstform!

Dem Spiel liegt eine Anleitung auf deutsch, französisch und englisch bei, zusätzlich ist ein Download auf koreanisch und niederländisch auf der Webseite möglich.

Die Burgen von Burgund ist ein Spiel von Stefan Feld
Erschienen bei Alea/Ravensburger, Vertrieb Heidelberger Spieleverlag
Für 2 bis 4 Fürsten ab 12 Jahre
Preis: Rund 30 €

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Neuste Kommentare

  • [Tom]

    Montag, 11 April 2011 - 10:45

    Mir gefällt das Spiel ja auch - aber BITTE nenne es doch nicht "BuBu"! Das hört sich an wie Baby-Sprache!