Ertränkt die Einhörner!
Geschrieben von Donnerstag, 28 Oktober 2010 - 09:16

Neu im Regal: Two by two

Rob Bartel ist ein kreativer Kopf: Der Kanadier schreibt, dichtet und arbeitet in der Computerspielbranche (BioWare). Seit einigen Jahren tüftelt er nun auch an Brettspielen herum und hat gleich passend dazu die Autorengruppe der Game Artisans of Canada mitgegründet.
Die Titanic wurde von Profis gebaut, die Arche Noah von einem Amateur. Bartels erstes Spiel steht jetzt in den Regalen: Two by Two, zu deutsch Zwei um Zwei. Ein Rendevouz um 14 Uhr? Eher nicht. Ein Pärchen im Stuhlkreis um ein anderes? Ach was. In dem Spiel, produziert vom kanadischen Verlag Valley Games in deren Modern Line als Nummer 6, retten die Spieler vielmehr Tiere vor der Sintflut. Die sind viel zu süß, als dass man sie herzlos den Fluten überantworten könnte. Und doch machen kaltherzige, hundsgemeine Mitspieler das manchmal.



Rob Bartel outet sich als bibelfest: "Da sprach Gott zu Noah: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben. Mach dir eine Arche aus Zypressenholz! Statte sie mit Kammern aus, und dichte sie innen und außen mit Pech ab!" (Genesis 6, 13 und 14). Wir sind also alles Noahs mit unserer Privatarche und sausen um eine langsam in den Fluten verschwindende Insel, retten Tierpaare und kassieren dafür Punkte vor dem lieben Gott.
Der Spielplan zeigt die Insel - noch voller im Wald verborgener Tierchen - mit etwas Strand und Wasser. Der äußerste Rand ist die Siegpunktleiste, in den vier Ecken dienen die Archen der Spieler als Ablage für die Viecherchen.
Das Spielprinzip ist einfach: Wer an der Reihe ist, legt zunächst ein Wasserplättchen auf ein Landfeld und läßt so den Pegel steigen. Er bekommt einen Punkt pro Wasserfeld, das drumherum liegt. Tiere, die dadurch am Wasser liegen, geben sich zu erkennen und werden aufgedeckt. Nun hat der Spieler zwei Aktionen mit seiner Arche: Er kann sich um ein Feld bewegen und ein Tierpaar retten. Man darf auch den Außenborder anwerfen und zwei Felder flitzen, dann aber fällt das Retten flach. Doppelt-Rettungen sind im Umkehrschluß auch möglich. Eine Rettung läuft so ab: Man nimmt ein Tier auf, das sich benachbart zur Arche befindet, das zweite beamt sich automatisch an Bord. Das Spiel endet, wenn alle Tiere gerettet sind oder alle Wasserplättchen verlegt wurden. Bei der Endwertung bekommt jeder Spieler doppelte Punkte für drei Tierarten. Der eine mag Frösche, Tauben und Affen, der andere Tiger, Zebras und Pandas. Einhörner mag jeder, die sind nämlich ganz selten.


Die Regeln können in ihrer Internationalität nur noch von Mow geschlagen werden: 9 separate Heftchen liegen dem Spiel bei, von Kanadisch (nein, nicht englisch) bis chinesisch (in Lang- und Kurzzeichen). Da wurde nicht gegeizt. Auch bei den 80 Plättchen. Das Material gefiel uns durchweg: Karton und Tiefziehteil sind super-stabil, kein Gestank beim Öffnen der Box.
Die Grafik der Tiere ist niedlich und wir trafen viele alte Bekannte wieder: Pausbäckige Einhörner aus den 80ern, Frosties-Tiger, Glücksbärchis und Europapark-Mäuse. Die Taube hat einen Olivenzweig im Schnabel, auch die Grafikerin hat mitgedacht. Allerdings ist das Design eher für Kinder zwischen 5 und 6 gedacht und untertrifft die Zielgruppe "ab 8" deutlich. Acht- und Mehrjährige finden es vielleicht zu kindlich, wollen die nicht lieber Transformer und Spongebobs retten? Störend empfanden wir die Siegpunkteleiste direkt neben den Wasserfeldern. An zwei Stellen macht sie einen seltsamen, irritierenden Knick, wo man sich schon mal verzählen kann. Eine Kramerleiste am Brettrand wäre ordentlicher und klarer. Die Plättchen schließlich sind für unsere Wurstfinger ziemlich klein. Geschicktere Naturen haben damit allerdings kein Problem.
Two by Two spielt sich locker-flockig und hat einfache Regeln. Familien finden ausreichend Tiefgang, Vielspieler empfinden es als Segeln in seichten Gewässern. Dennoch stimmt das Thema, wenn zwei bis vier Noahs um die Insel gondeln und Tiere auflesen. Vorwerfen muss man dem Mechanismus allerdings seine kleinen Schönheitsfehler: Der Startspieler beginnt mit 1 Siegpunkt, der nächste mit 2, usw. Das riecht nach einem auszugleichendem Startspielervorteil, den wir aber nicht bemerkten. In der klassischen Familie, in der naturgemäß alle gegen Papa spielen, können mehrere Spieler gemeinsam einem anderen durch das gezielte Versenken von Tieren das Leben schwer machen. Aber der Papa kann das ab. Letzter Punkt sind die beiden Wertungsmöglichkeiten: Einfach und fortgeschritten. Noch nie hab ich derart unterschiedliche Spielenden erlebt; der klar zurückliegende Letzte aus der Fortgeschrittenenwertung lag bei der einfachen Wertung der gleichen Partie ganz vorne! Geschuldet ist dies den Punkten, die man für das Versenken von Landmasse bekommt: Im einfachen Spiel ist das im Vergleich zum Tiere-Retten deutlich lukrativer.

Two by Two ist eine Mischung aus Atlantis und Mahjongg mit ordentlichem Interaktionspotential und hübschen Grafiken. Bereits 6-jährigen können dem Spiel gut folgen und haben Spaß am Retten der niedlichen Tiere.

Two by Two ist ein Spiel von Rob Bartel
Erschienen bei Valley Games
Für 2 bis 4 Noahs ab 8 Jahren
Preis: Rund 40$ (30 €)

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