Flucht vor dem Kochtopf
Geschrieben von Montag, 26 September 2011 - 11:05

Demnächst: I will survive


Letzte Woche bekam ich eine Mail von einem echten Präsidenten. Oh ja. Dem Präsident von KiniGames, dem Herrn Riot (englische Leser mag dieser Nachname verwirren, wofür ich mich entschuldige). KiniGames? Bi-KiniGames vielleicht? Nie gehört? Ging mir genauso. Das ist ein junger französischer Verlag, die mit ihrer mehrsprachigen Version von I will survive in Essen in wenigen Wochen internationales Parkett betreten.

Vier Sprachen in einer bunte Box, dazu ein Songtitel von Gloria Gaynor. Ein Disko-Spiel? Nö, aber den Begriff Party darf man ruhig in den Mund nehmen. Es geht bei I will survive darum, nicht im Kochtopf der Kannibalen zu landen. Denn die Spieler sind in der Rolle unerschrockener Abenteurer auf einer Insel gelandet, um ein paar historische Raritäten für das Museum zu retten... Das Unglück nimmt seinen Lauf:
"Eure bunte Abenteurertruppe hat tasächlich den tief im Dschungel verborgenen, verlorenen Tempel von Muataca-Capichu entdeckt und geplündert. Danach habt ihr euch auf den schnellsten Weg zurück zu eurem Schiff gemacht und seid dabei voll durch das heilige Territorium der Mumba-Kannibalen gelatscht. Die waren wenig erfreut über euren Besuch.
Drei Tage dauert die wilde Hatz schon, als ihr endlich den Strand erreicht, an dem euer Schiff vor Anker liegt - nein: Lag! Denn zu eurem Leidwesen findet ihr nur noch ein rauchendes Wrack. Jetzt bleibt für die Flucht nur noch das intakte, einsitzige Erkundungsflugzeug.
Der Kampf ums nackte Überleben beginnt: Gier, Verzweiflung und gesunder Pragmatismus lassen euch zum Schluß kommen, dass es nun an der Zeit ist, sich den den liebgewonnenen Kameraden zu trennen. Ein schneller, zivilisierter Tod durch einen treuen Freund ist schlussendlich allemal besser, als von den Kannibalen massakriert zu werden..."


Zugegeben, der Einleitungstext ist schon allein sprachlich genau die Sorte Spiel, die ich persönlich sehr mag. Schauen wir mal das Material an: Jeder Spieler bekommt eine aufrecht stehende Charakterkarte, die passende Marke und Chips wie "Waffe" oder "Schutzschild". Und die Charakterbeschreibung; sie sagt aus, was euer Abenteurer so drauf hat. Jeder Spieler startet mit seiner Marke auf dem Spielplan ganz oben. Wird man verletzt, wandert man dem Schnellkopftopf der Kannibalen näher. Das ist so wie in der Natur: Die Raubtiere greifen sich eben die schwächsten Opfer. Wer übrig bleibt, gewinnt.
Und wie wird gespielt? Jeder Spieler hat drei Gesten für seine Aktion Schutz, Nachladen und Angriff.
Gespielt werden mehrere Handgemenge, die wiederum in Runden unterteilt sind. Jede Runde machen alle Spieler eine Aktion - gleichzeitig! Wer verletzt ist, steigt aus, alle anderen spielen die nächste Runde.
Zunächst legt man ein paar Chips parat, je nach Charakter. Dann denkt sich jeder aus, welche der drei Aktionen er machen will, dann geht es los: Gemeinsam zählt man auf drei (also nicht auf drei direkt, sondern auf drei-und-dann, also eigentlich auf vier) und sofort machen alle Spieler die Geste, die zu ihrer Aktion gehört. Also ein bisschen wie Schnick-Schnack-Schnuck oder Schere-Stein-Papier. Bis zur Ausführung behalten die Spieler die Pose bei. Die Aktionen kosten allerdings Chips, die parat liegen sollten...
Schutz schützt vor den Angriffen aller Mitspieler. Nachladen bringt Chips vom Voratsstapel zurück und der Angriff richtet sich gegen denjenigen Spieler, in dessen Richtung die Aktion zeigt. Dadurch verletzte Spieler legen ihre Karte hin und bewegen ihren Marker ein Feld Richtung Dschungel-Thermomix. Alle anderen spielen die Runde weiter und dürfen erst beim nächsten Handgemenge einsteigen.
So läuft das weiter, bis nur noch einer steht, er gewinnt.

I will survive ist also irgendwas zwischen Schere-Stein-Papier, Cash'n'Guns und Werwölfen. Sicherlich gnadenlos, blufflastig und herrlich ungerecht. Also ein interaktiver Party-Spaß ohne die Leute zu Peinlichkeiten zu nötigen. Selbst Vielspieler sollten reinschauen, und Gute-Laune-Spieler erst recht.

I will Survive wird ein Spiel von Damien Challas und Antoine Riot, der das Spiel auch illustriert hat
Erscheint bei KiniGame, Vertrieb Heidelberger Spieleverlag
Für 2 bis 6 Forscher ab 8 Jahren
Preis: nicht genannt

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