Lehrlinge Anno 1510: Cholerisch & sensibel
Geschrieben von Donnerstag, 21 April 2011 - 12:11

Gespielt: Baumeister


Bei diesem schönen Wetter da draußen war ich kürzlich mit meinen kleinen Burschen zur Osternest-Hatz am See. Was ich dort sehen musste, erinnerte mich schmerzlich an die ach so schöne Zeit an der Uni, als man den lieben langen Tag am See in der Sonne faulenzen konnte und den lieben Gott, der Prof und das Schreib-deine-Hausarbeit-sonst-verpass-ich-dir-ein-schlechtes-Gewissen-Monster einen guten Mann sein lassen konnte. Nicht, dass ich das dauernd gemacht hätte, aber es geht ja um die potentielle Möglichkeit!
Grund genug, mich wieder "meiner" Studenten zu erinnern, die mir schon seit geraumer Zeit ihre Texte zugeschickt hatten im Rahmen der Aktion "Tric Trac an der Uni". Kommen wir also heute zu Episode vier (Nummer drei und zurückliegende hier) und dem bei Valley Games erschienenem Spiel Baumeister von Wolfgang Kramer und Hartmut Witt in der neuen 2010er-Version. Absoluter Hingucker: Die Häuschen aus stabilem Karton.

Da hat jemand seinen Meister gefunden - wenn er nicht gerade wieder vom König abgezogen wird um am Hofe zu arbeiten. Der Baumeister im Mittelalter hat es nicht leicht, die unterschiedlichen Gebäude für die Stadt fertig zu stellen. Pest, Unwetter und Intrigen sind nur ein kleiner Teil der Ereignisse, die ihm seine Arbeit erschweren. Besonders problematisch wird es für ihn, wenn schlechtes Wetter die Bauzeit verlängert und sich so seine Entlohnung herauszögert. Somit bleibt das Geld aus und seine Arbeiter stehen klagend und murrend mit ausgestreckter Hand vor seiner Tür. Da heißt es vorausschauend kalkulieren. Und wenn alles nichts nützt hat die Bank immerhin noch Schuldscheine zu vergeben.


Bei Baumeister gilt es eine mittelalterliche Stadt aufzubauen und allen Hindernissen, die einem so in den Weg gestellt werden geschickt zu trotzen. Das Geschehen spielt sich in fünf Phasen hab, die sich höchstens fünf Mal wiederholen.
In der ersten Phase dürfen sich die Spieler der Reihe nach Arbeiter auswählen. Dabei ist der Clou, dass sie damit komplett ins Blaue tippen, da noch keiner von ihnen einen Bauauftrag hat. Trotz allem heißt es geschickt auszuwählen, da alle Arbeiter unterschiedliche negative Eigenschaften haben. Besonders Lehrlinge und Gesellen wollen dabei sorgsam ausgewählt sein. Sie besitzen die größte Anzahl an Eigenschaften, die sich negativ auf das Spiel auswirken können. Nicht selten schnappen sich dabei die Spieler die gewünschten Arbeiter vor der Nase weg: „Na toll, den Gesellen wollte ich doch haben. Jetzt bleibt mir nur noch der labile, sensible... Wer will denn so ein Pflanzchen auf seiner Baustelle haben?“.
In der zweiten Phase haben die Spieler dann die Möglichkeit Bauaufträge zu erwerben. Je nach Baukonjunktur und Auftragslage stehen dabei mehr oder weniger Aufträge zur Verfügung. Dabei kann es auch passieren, dass ein Spieler leer ausgeht. In dieser Runde heißt es gut hauszuhalten! Die Aufträge werden jeweils ersteigert. Dabei ist für jeden Spieler ersichtlich, wie hoch der Stadtwert des Auftrags ist, wie viele Arbeiter man dafür benötigt und welcher Erlös bei Beendigung des Gebäudes ausgezahlt wird. Der Auftrag muss nicht in einem Zug fertig gestellt werden, allerdings erhält man das Geld erst, wenn das Gebäude komplett in der Stadt steht. Wird es nicht rechtzeitig fertig, gehen die Arbeiter womöglich leer aus und das gefällt ihnen gar nicht! Wer in dieser Phase zu hoch gepokert hat verliert in der nächsten womöglich alles. Da wird nämlich eine Ereigniskarte aufgedeckt, wovon die wenigsten positiv ausfallen. „Der König nimmt Baumaßnahmen an seinem Schloss vor und zieht alle Meister an den Baustellen ein. Dafür zahlt er dir 5000 pro Meister, du kannst deine Meister nicht an deiner Baustelle einsetzen und musst die Löhne trotzdem zahlen“, heißt es diesmal. Na super, dieser blöde König schon wieder. Hat der nicht seine eigenen Bauarbeiter? Nicht zu fassen! Ohne Meister kann ich doch überhaupt nichts bauen! Naja, immerhin verdiene ich noch 2000 dabei. Hätte schlimmer kommen können!.
Nach dieser Botschaft sitzt jeder Spieler vor seinen Bauaufträgen und Bauarbeitern und versucht alles irgendwie so umzustrukturieren, dass er wenigstens noch ein halbes Gebäude auf die Beine stellen kann. Geld am Ende der Runde steht trotz allem nicht mehr in Aussicht. Friedlichere Kommentare sind dann noch à la „So ein Mist aber auch...“ So stellen die Spieler bei denen es noch einigermaßen gut gelaufen ist, in der vierten Phase ihre halben Gebäude auf.
In der fünften und letzten Phase dieser Runde strecken dann die Arbeiter, denen die ganze Königsangelegenheit herzlich egal ist, ihre Hände aus und verlangen nach ihrem Lohn: Du hast uns ja schließlich angeheuert. Seufzend teilen die Baumeister den Lohn aus und schauen Trübsal blasend auf die roten Zahlen. Immerhin ging’s jetzt noch ohne Schuldschein. Hoffentlich wird die nächste Runde besser.
Die zweite Runde beginnt. Wieder heißt es Bauarbeiter einstellen oder entlassen. Diesmal kann wenigstens ein bisschen besser kalkuliert werden, da die ersten Bauaufträge im Spiel sind. Ich glaube ich stelle vorsichtshalber noch einen Meister mehr ein, man kann ja nie wissen was passiert. Ein bisschen Prävention für die Ereignisse kann betrieben werden, aber meistens kommt es doch immer anders als man denkt. Sowas wie "Intrigante Gesellen vergraulen labile Lehrlinge – Na toll! Lasst euch doch gegenseitig in Frieden!

Baumeister ist ein netter Konkurrenzkampf in der mittelalterlichen Zeit mit hübschen Bastelelementen. Insgesamt heißt es gut zu haushalten, denn die Arbeiter wollen mit Geld versorgt werden und die Bauaufträge erfordern Investitionen. Außerdem ist nicht der Baumeister mit den meisten Bauwerken der Sieger, sondern der, der das meiste Geld gescheffelt hat! Also auf in den Konkurrenzkampf und bloß keine Gnade walten lassen.
Besonders schön gemacht sind die Bauelemente, die Stück für Stück zusammengesetzt ein hübsches Gebäude ergeben. So steht tatsächlich am Ende des Spiels eine komplette Mittelalterliche Stadt auf dem Tisch, die von einer Mauer mit dazugehörigen Stadttürmen und –Toren umgeben ist. Für alle Beteiligten ist der Aufbau der Stadt und das Basteln das besondere „Schmankerl“ des Spiels. Und für die Kleinen, denen das ganze Kalkulieren noch viel zu blöd ist, ist auch freies Spielen mit den Häusern möglich.

Maren Maier
für Tric Trac


Baumeister ist ein Spiel von Wolfgang Kramer und Hartmut Witt
Erschienen bei Valley Games
Für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren
Preis: 45 €

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