Psychospielchen für Hobby-Biker
Geschrieben von Donnerstag, 17 März 2011 - 10:41

Gespielt: Skull & Roses


Skull & Roses war bereits vor seinem Erscheinen ein Siegertyp: Erst erhielt es die höchste Auszeichnung der französischen Szene, den As d’Or (wie hier berichtet), und erst danach kam es auf den Markt. Anschließend war die Nachfrage derart groß, dass nach nur vier Tagen satte 4000 Exemplare über den Tresen gingen. Ob das Spiel den hohen Standards heimischer Geschmäcker zusagt, ist natürlich auch unsere heilige Mission. Ist das Bluffspiel den edlen Meriten gewachsen oder auf einer schrägen Meta-Ebene selbst ein großer Bluff? Selber lesen macht schlau:

Lasst mich euch kurz erklären, wie man Skull & Roses spielt. Das Material ist auf das Notwendigste reduziert: Jeder Spieler hat eine Spielertafel vor sich und vier Bierdeckel... äh Karten aus stabilem Karton. Die sind auch noch nahezu identisch, denn drei davon zeigen auf der Rückseite ein Rosensträußchen, eine allerdings einen Totenschädel, dessen Besitzer vor seinem Ableben besser noch mal zum Zahnarzt gegangen wäre. Aber man weiß ja nie, wie das Leben so spielt. Kurzum, wir haben vier Karten auf der Hand. Jeder legt eine davon verdeckt vor sich ab, dann beginnt der Startspieler. Wer am Zug ist, der kann entweder einen weiteren Bierde... Karte ablegen oder anfangen mit einer Herausforderung. Das beendet das Ablegen und ab jetzt muss jeder Spieler die Herausforderung ZZ-toppen (der Gag musste sein) oder aussteigen. Zweck dieser Bikerchallenge ist nämlich anzusagen, wie viele Karten man aufdecken kann, ohne dass der Schädel in die Runde grinst. Wer das schafft, darf seine Tafel auf die Rosenseite drehen: Das ist schon die halbe Miete zum Sieg. Denn wer das ein zweites mal hinkriegt, hat die Partie für sich entschieden. Andererseits, sollte die Herausforderung in die Binsen gehen, muss man sich leider von einer zufällig gezogenen Karte trennen. Ein gewisses taktisches Element ist, dass der Herausforderer beim Aufdecken immer zuerst bei sich die Hosen runterlassen muss. Wer also mitbietet, könnte entweder tatsächlich auf Sieg spekulieren oder die anderen reinreiten wollen.


Skull & Roses braucht nicht mehr. Das Thema ist aufgesetzt, ja. Denn böse Bikerbuben, die mittels Karten ihren Zwist austragen statt den maskulinen Messerkampf zu wählen, entspringen einer gewissen Heile-Welt-Sicht. Trotzdem reizt es immer wieder zu launigem Macho-Geblöke oder markigen Sprüchen. Und es ist allemal besser als das ursprüngliche „Russische Roulette“-Thema aus Prototypenzeiten, denn Rocker sind freie Abenteurer und noch echte Kerle. Roaaar-romantisch!
Aggressiv oder defensiv – jeder Spielertyp kommt bei Skull & Roses auf seine Kosten. Natürlich kann man sich zurückhalten, immer schön mit Unschuldsmiene einen Totenschädel legen und darauf, warten, dass ein Mitspieler in die Falle tappt. Was auch sicherlich eine erfolgversprechende Anfangsstrategie sein kann. Denn dünnt man die Kartenhand der Mitspieler aus, weiß man zum einen bald, was die auf der Hand haben und zum anderen müssen sie öfter eine Herausforderung beginnen. Wer offenkundig nur noch Rosen auf der Hand hat, der ist schnell ein leichtes Opfer, da sehr durchschaubar.
Aggressivere Naturen dürfen sich gerne etwas trauen – wer etwa einen riskanten „Burn Out“ versucht (alle Karten aufdecken), der kann voll gegen die Wand brettern oder mit einem Paukenschlag einen Schritt zum Sieg gehen. Bei Skull & Roses gewinnt man nicht durch lasches Abwarten. Natürlich kann man übers Aushungern allen Mitspielern die Karten aus der Hand ziehen, aber das ist langsam und wenig erfolgversprechend. Wer wirklich gewinnen will, der muss sich im richtigen Moment ein klein wenig weiter aus dem Fenster lehnen als sonst. Und darin liegt der Kick: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Skull & Roses ist ein emotionales Spiel. Ärger, Schadenfreude, Triumph und ganz viel Gelächter – all das passt in die kleine Schachtel. Und ich weiß jetzt schon, dass Leute wieder sagen werden: 15 Euro für so ein kleines Spiel, die ham se doch nicht alle. Natürlich kann sich jeder sein Skull & Roses auch aus Bierdeckeln selber zusammenbasteln. Das sieht aber erstens nicht so schön aus. Und wer Skull & Roses nicht kennt, der wäre auch nie auf die Idee gekommen, aus Bierdeckeln ein Spiel wie das hier zu entwickeln. So muss auch vor 15 Jahren der Autor Hervé Marly vorgegangen sein. Ein Ei des Kolumbus sozusagen: Jetzt, wo man das Spiel kennt, kann man es sich leicht nachbauen; aber erstmal darauf kommen, das zeichnet doch den Autor aus. Die Frage ist nur, ob man überhaupt ein self-made Spiel will (ähnliches kann man ja auch mit den Werwölfen vom selben Autor und Verlag sagen, Papier und Stift reichen). Immerhin hat die Autorenleistung ihren Wert und lässt sich nicht mit der Materialwaage messen.

Also: Wem Interaktion und der gesellige Aspekt von Spielen am Herzen liegt, der sollte sich Skull & Roses unbedingt zulegen. Denn das auf das Essentielle reduzierte Material reicht komplett aus - der Spaß entsteht durch die Spieler selbst. Kein Wunder, dass es in Frankreich solch einen durchschlagenden Erfolg hatte. Dort steht man – mehr als bei uns – sehr auf die soziale Komponente eines Spiels. Liegt es vielleicht an deren ausgeprägten Tischsitten? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist dass jeder, der Poker, Bluff, Werwölfe oder Kakerlakenpoker liebt, sich auch bei den Snakes, Bulls und Eagles sofort heimisch und wohl fühlt: Mit ein wenig Psychologie, Kombination und einem Hauch Glück kommt man weiter als auf einem flammenverzierten Billy Bike. Die Regeln hat man schneller intus als ein Glas Jack Daniels und eine Partie ist nur halb so lang wie ein Album von AC/DC. Bei uns hat das Spiel den Abend dominiert und taugt sowohl als Aufwärmer, Absacker oder Hauptspiel. Kurz: Skull & Roses rockt, aber richtig!

Hier war es bereits in der Vorschau (Link).

Skull & Roses ist ein Spiel von Hervé Marly
Erschienen bei Lui-Même, Vertrieb Asmodee
Für 3 bis 6 Biker
Preis: Rund 15 €

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