Raus aus der Schmuddelecke
Geschrieben von Freitag, 5 November 2010 - 08:38

Neu im Regal: Gosu


Goblins haben es nicht leicht. Klein, gemein, schlechtes Image. Jeder Rollenspieler weiß, dass eine Bande Goblins ein gern gesehener XP-Lieferant sind. Verdammt nochmal, damit ist jetzt Schluß! Raus mit den kleinen Grünhäutern aus der Schmuddelecke, Goblins an die Macht! Goblin Supremacy! Gosu!

Jetzt ist das Kartenspiel mit den knubbeligen Spitzohren in den Regalen.
Schaut man in die Schachtel, springt einen erstmal eine von vielen Spielen bekannte Leere an. Macht nix, wir sind ja optimistisch und sagen: Hat genug Platz für Erweiterungen. Die 100 Karten und wenigen Counter flattern locker in der stabilen, von innen und außen witzig illustrierten Kiste herum. Wer die Karten in Schutzhüllen steckt, macht es richtig. Noch richtiger macht es der, der Gosu spielt.
Das Regelheft ist klar strukturiert und fehlerfrei. Es klärt uns auf: Wir bauen uns eine Armee aus Goblins der fünf Clans zusammen und vergleichen am Ende die Stärke. Aha, also nicht in der Schlacht wird das Spiel gewonnen, sondern man zeigt, was man hat und derjenige mit der stärksten Armee bekommt einfach einen Siegpunktmarker. Kräfteschonend und interessant für Ethnologen (konfliktfreie Kriege kennen die nur aus Polynesien). Dennoch geht es nicht ganz ohne ein klitzekleines bisschen Zerstörung: Goblins können tatsächlich gefangen oder sogar getötet werden. Gerade die schwarzen und roten Goblins haben sich auf solche  Nickeligkeiten spezialisiert. Überhaupt, die Farben. Wer Magic kennt (Autor Kim Satô auch), findet sich schnell zurecht: Weiß, grün, rot, schwarz, blau. Jeder Clan hat seine Vorlieben. Während die weißen, ehrwürdigen Gobans lassen Karten ziehen. Die grünen Alpha Goblins gehen auf Masse. Rote Feuergoblins (mit brennendem Kopf) knallen gerne mal was ab.
Das Spielprizip ist knackig kurz erklärt: Man spielt Goblins (Level 1 bis 3) aus oder läßt sie in andere mutieren, beides kostet Handkarten als Bezahlung (ähnlich Race for the Galaxy oder San Juan). Oder man nutzt seine immer viel zu wenigen Aktivierungsmarken, um Karten zu ziehen oder Fähigkeiten zu nutzen. Oder man passt. Wenn alle Spieler gepasst haben, werden die militärischen Werte addiert und verglichen. Dann beginnt die nächste Runde, bis ein Spieler 3 Siegpunkte hat.



Aktivieren, um 1 Karte zu verbannen. Sogar 2, wenn jemand anderes mehr Siegpunkte hat.

Anfangs ist man erstaunt, wie schnell die erste Runde vorbei ist. Noch mehr wundert man sich danach, dass zu Beginn der nächsten Runde keine neuen Karten nachgezogen werden dürfen. Huch, da stehe ich ja plötzlich mit weiterhin leeren Händen da!
Da muss man erst wieder mit den Aktivierungsmarken Karten kaufen, die fehlen dann woanders. Gosu ist also sehr auf sorgfältiges Handkarten-Management ausgelegt. Man muss schon sehen, dass Kartenkombos zustande kommen und man auch ab und zu frische Karten nachziehen kann. Ansonsten geht einem selbst bald die Puste aus und die Mitspieler kloppen fröhlich weiter Karten in ihre Armee. Runde 2 dauert dann schon länger, man spielt zurückhaltender. Spätestens ab Runde 3 springen die Kombos an - wenn es da für manchen Mitspieler nicht bereits zu spät ist.
Über die Kartengrafik will ich an dieser Stelle nur ein Wort verlieren: Wahnsinn. Romain Gaschet aka Geyser war mir vorher kein Begriff, obgleich ich gerne Comics lese. Der 30-jährige Jungspund ist nämlich ein talentierter Zeichner in der großen französischen Szene. Bertrand Benoit, ebenfalls Comiczeichner, hat bereits Spielen wie Claustrophobia, Alkemy (frz. Tabletopsystem) oder  Snow Tails (Neuauflage) seine künstlerische Note verpasst - wieder Beweise dafür, dass französische Spieleverlage sehr großen Wert auf eine ansprechende Illustration legen. Frankreich ist eh super. Hallo Chef.
Gosu bietet viel Raum zum Entdecken der Kartenmöglichkeiten. Die fünf Clans sind klar unterschiedlich in ihren Fähigkeiten und erlauben völlig andere Strategien. Man sollte aber frühzeitig einem Clan den Vorzug geben, denn Mischungen aus vielen Farben sind teuer. Dennoch kann man auch problemlos in der Mitte des Spiels die Richtung wechseln - was manchmal den Sieg bedeuten kann. Einige Goblins auf Level 3 bieten nämlich eine alternative Sofort-Sieg-Möglichkeit, über die auch ein verloren geglaubtes Spiel nochmal gewendet wurde.
Egal ob zu zweit oder zu viert: Gosu hat keine lange Wartezeiten, denn Aktionen sind schnell ausgeführt. So ergibt sich eine Spielzeit von rund 30 Minuten. Prima für eine Revanche oder als Anheizer/Absacker.

Der Begriff Gosu hat übrigens noch eine andere Bedeutung: Er entspringt dem Koreanisch und bezeichnet einen Computerspieler mit hohem Skill. Die Koreaner (zumindest solche im südlichen Teil) haben bekanntlich eine ausgeprägte Videospiel-Kultur mit e-Sport-Ligen und eine global starke Community im Bereich von Multiplayerspielen wie StarCraft. Das ist so beliebt wie bei uns Tennis. Satô ist halb Koreaner, halb Japaner. Und erst 26. Ich gehe davon aus, dass er Videospieler ist.
Und dort ist ein topp Spieler eben ein Gosu. Traditionell war ein Gosu ein Meister im Kampfsport oder Go-Spiel. Oder eben jetzt der Anführer einer Goblin-Armee.

Goblins sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Gosu gibt es derzeit nur auf Französisch und Englisch. Über eine deutsche Version wird nachgedacht. Aber eine Erweiterung ist bereits für den Frühling angekündigt. Mehr dazu demnächst hier bei Tric Trac.

Gosu ist ein Spiel von Kim Satô
Erschienen bei Moonster Games/ Vertrieb Asmodee
Für 2 bis 4 Goblins ab 10 Jahren
Preis: 23€

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Neuste Kommentare

  • Samhain Verlag

    Freitag, 5 November 2010 - 21:28

    Schon in Essen geholt und bisher das einzige Spiel daher, das ich geschafft habe zu spielen – und das gleich drei mal.
    Ein Traum von einem Spiel, das mich vor Allem in meine Zeit als Magic-Spieler zurückversetzt hat. Schon damals ein riesen Goblin-Fan mit reinem Goblin-Deck nun ein riesen Gosu-Fan.

    Von Guido wurde alles gesagt, was es zu sagen gibt. Als Designer nochmal kurz ein Wort wiederholt: Wahnsinn! Die Illus durchgehend beneidenswert.