
Salz auf unserer Schaufel
Geschrieben von Guido Freitag, 22 Juli 2011 - 16:56
Oldie Gespielt: Magnum Sal
Ist die Suppe zu fad, schüttet man was hinein? Salz. Sind im Winter die Straßen glatt und vereist, verstreut die Gemeinde dann Pfeffer? Nein, Salz. Was wog man im Mittelalter zeitweise mit Gold auf? Richtig, Salz. Und im Vorliegenden Spiel Magnum Sal, worum geht es da? Exakt, um Arbeiter.
Magnum Sal feierte seine Premiere in Essen 2010, war davor schon auf dem Radar der Vielspieler und ging danach leider völlig baden. Zu Unrecht. Wir haben es hier nämlich mit einem hübschen Spiel aus der Schule der Eurospiele zu tun, man vielen Möglichkeiten, Interaktion und Entscheidungen. Auch wenn das Spiel inzwischen nicht mehr so einfach zu bekommen ist (Korrekturen höre ich gerne), möchte ich es empfehlen.
Das Setting ist Polen im 14 Jahrhundert. Dort gibt es das Salzbergwerk von Wieliczka mit gewaltigen Mineralvorkommen tief im Gestein. König Kasimir lässt hier aber nicht jeden dahergelaufenen Verwaltungsfachangestellten ran. Chef wird nur, wer unter den ganzen Bewerbern wirklich zeigen kann, dass er optimal, kosteneffizient und ertragreich arbeitet. Also machen sich die Spieler auf die Socken, denn sie leiten ein kleines Team von Bergleuten. Vor sich die Stadt, unter sich der Berg und im Hintergrund die Burg, alles ist bereit. Im Spielverlauf werden sie neue Gänge graben, Ausrüstung erwerben, Salzlieferungen transportieren und ihre Arbeiter geschickt verteilen. Ab und zu muss man denen dann aber auch mal eine Pause gönnen.
Die Partie beginnen wir mit 4 Bergleuten, etwas braunem, minderwertigen Salz, etwas Geld und viel Einsatzwillen. Wer am Zug ist, der hat zwei Aktionen, die ich hier nur kurz zusammenfasse: Einen Bergmann einsetzen oder bewegen. Weil die Männer in den Stollen Seilschaften und Arbeitsketten bilden, darf die Kette nie unterbrochen werden. Dies gilt für alle Spieler zusammen. Und natürlich darf man auch Salz abbauen – so viele Salzwürfel, wie die Arbeitskraft in der Bergwerkskammer beträgt. Wasser im Gang ist da nur hinderlich. Danach wird das Salz gemeinsam an die Oberfläche transportiert, Arbeiter der Mitspieler helfen bereitwillig, denn sie werden dafür schließlich auch bezahlt. Danach ist der Arbeiter müde und legt sich hin. Erst wenn ein Spieler komplett einmal aussetzt, sind alle seine Arbeiter wieder topfit. Über Tage gibt es auch viel zu tun: In den Gebäuden Wirtshaus, Werkstatt, Pumpe und Markt sorgen sie für neue Mitarbeiter, Ausrüstungskärtchen, pumpen Wasser ab oder kaufen bzw. verkaufen Salz. In der Burg erfüllen die Spieler mit ihrem Arbeiter lukrative Aufträge.
Magnum Sal sieht ein bisschen aus wie Caylus, aber das ist reine Optik. Dennoch: Wem der französische Burgenbau gefällt, der könnte auch die Zielgruppe von Magnum Sal sein. Hier geht es um unterschiedlichste Faktoren, die ein Spieler im Augen behalten und managen muss:
Die Arbeiterketten sind extrem wichtig für einen gesunden Cashflow und ein gut platzierter Arbeiter im senkrechten Stollen kassiert bei jeder Lieferung der Mitspieler, die an ihm alleine vorbeigeht, mit. Das ist ein bisschen wie bei Giants, wo bedacht positionierte Arbeiter auch punkteträchtig die Steinriesen schleppen. Andererseits fehlt der Mann dann mit seiner Muskelkraft in der Sohle, um Salz abzubauen.
Dann ist da die Ausrüstung: Ein ordentlich ausgestatteter Werkzeugkasten bringt bei Spielende nicht nur Punkte, sondern auch in der laufenden Partie Vorteile. Proviant macht müde Männer munter, wenn es nötig ist, oder mit dem Geleitbrief kann man sich schneller zum König vordrängeln. Die Vorteile sind nicht spielentscheidend per se. Sie wollen zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden, um in einem Coup einen Vorsprung herauszuspielen.
Und schließlich die Burg, hier ist gutes Timing notwendig. Wir kennen die Situation vom Bürgerbüro: Es gibt immer eine Warteschlange. Kommunalangestellte waren wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert Frustgrund Nummer 1 der Bürger. Ein Arbeiter, den wir zur Burg schicken, muss ganze zwei Runden warten, bis er einen Auftrag erfüllen und mit vollem Geldsack zurückkehren darf. Wer es hier vermurkst und dann noch immer nicht das passende Salz beisammen hat – oder dem der freundliche Mitspieler zuvor kam – guckt in die Röhre. Schlimmer noch: Kann kein Auftrag erfüllt werden, gibt’s eine Strafzahlung vom König. Der lässt sich nicht veräppeln, Regieren ist schließlich eine zeitaufwändige Tätigkeit.
Die Grafik des Spiels hilft der Immersion: Die Bergsiedlung sieht ein bisschen nach Disney-Zeichentrick aus, ohne kitschig rüberzukommen. Alles ist funktional. Schön auch der senkrechte Stollen, der sich dann optisch unter der Stadt unter dem Plan in den Berg bohrt und auf drei Sohlen nach links und rechts abzweigt. Thema und Mechanismus fügen sich spürbar ineinander. Zu viel Wasser kostet – pumpt man es nicht vorher weg – gehörige Manpower (eine ähnliche Thematik wie in Wallace’ Tinners Trail), benutzte Arbeiter sind müde und spürbar spannend ist das Weitertreiben der Gänge in den Seitenbereichen. Hier ist natürlich Glück im Spiel, wer das nicht will, der kann mit von vornherein offenen Plättchen spielen. Uns gefiel die Überraschung immer viel besser. Je tiefer es in den Berg geht, desto reiner wird die Salzqualität, aber auch das Grundwasser wird zum größeren Problem. Und: Wer sich so weit hinab wagt, der muss auch ein umfangreiches Bergbauteam an der Hand haben, um das Salz dort unten abzubauen und zu Tage zu fördern. Sonst verdienen die lieben Kollegen möglicherweise zu viel mit und das Unternehmen rentiert sich nicht mehr.
Wer gerne Caylus, Cuba, Giants, Tinner’s Trail oder die Säulen der Erde spielt, der wird manch Element wiedererkennen. Und dennoch erstaunt sein, dass ein Spiel bekannte Elemente rund und sauber rekombinieren kann.
Wer einen Blick in die Regeln werfen möchte, lädt sie hier herunter (Klicken, um den Download direkt zu starten).
Magnum Sal ist ein Spiel von Marcin Krupinski und Filip Milunski
Erschienen bei Gry Leonardo, hier und da noch zu haben aber inzwischen recht rar.
Für 2 bis 4 Bergleute ab 10 Jahren
Preis: Rund 35 € oder 40 Kilo Tafelsalz

