
Schön unpraktisch
Geschrieben von jemand anderem Dienstag, 14 Februar 2012 - 09:52
Gespielt: Caylus für iOS
Oh wie habe ich mich auf dieses Spiel gefreut. Die Ankündigungen versprachen schöne Grafik, coole Online-Partien und klasse KI-Gegner. Und das alles in einem universalen Paket. Die Ernüchterung: Zumindest die Grafik ist klasse, wenn auch leider nicht perfekt.
In diesem Spiel sammeln die Spieler ihre Siegpunkt dabei auf verschiedene Arten. Einer baut einfach am Schloss, ein anderer baut viele neue Holz- und Steingebäude, der nächste versucht es über Extragünste und viel Gold oder über die seltenen Prestigegebäude, die anderen auszustechen. Mischstrategien gibt es noch ohne Ende oben drauf. Caylus hat das Limitieren von Optionen auf ein Mal pro Runde gesetzt und ein wundervolles Element ist dabei der Vogt. Er gibt das Limit an, bis wohin die Aktionen überhaupt ausgeführt werden. Alles dahinter ist umsonst gesetzt worden.
Das alles führte nicht umsonst neben einem ersten Platz beim Deutschen Spielepreis, sondern auch zu einer Menge an Spielen, die genau in dieses Nest stechen. Caylus gilt als ein Klassiker der Spieleszene, genauer: Der Arbeitereinsetz-Spiele. Auch wenn das Workerplacement in El Grande (wobei hier die Mehrheiten wichtiger sind) eher seinen Ursprung hat, so ist doch Caylus mit einem Aktionsmechanismus dahergekommen, der spätere Spiele wie Agricola erst ermöglicht hat. Uwe Rosenberg ist bekennender Fan des Spiels.

Wollen wir schauen wie die Umsetzung geworden ist: Das Spiel hat wunderschöne Grafik, aber sie ist leider nicht ausreichend übersichtlich. So ist es hilfreich, zu sehen in welcher Reihenfolge die Spieler auf der Brücke stehen, um abzuschätzen ob noch irgendjemand den Vogt bewegen kann. Genau wie die Spielreihenfolge ist dies nämlich nur im Wappen neben einem Symbol zu erkennen. Klar steht es damit irgendwo, aber für mich wäre gerade dafür eine grafische Lösung wie im Brettspiel schöner gewesen. Auch um für Neuspieler zu erkennen, wann dies geschieht und wieso das Platzieren von Figuren nun mehr kostet.
Beim Online-Spiel wurden die vorhanden Ressourcen des Systems auch nicht genutzt. Der asynchrone Modus über das Game Center funktioniert einwandfrei und hat sowohl bei Euphrat und Tigris als auch Tikal schon gezeigt, dass es hilft, Freunde zu finden, die es auch spielen. Ich habe auch kein Problem mit einem eigenen Server, wie Carcassonne und Ascension dies bewiesen haben. Aber bei beiden kann man sich Freundeslisten anlegen, die einem die Möglichkeit des Gegeneinander-spielens erlauben. Caylus lässt einen nur gegen Letue spielen, die gerade auch online sind. Also größtenteils Unbekannte. Es sei denn, alle Freunde sind gerade online und setzen sich in das selbe Spiel, bevor es ein Unbekannter tut. Ziemlich aufwändig.

Aber auch andere Kleinigkeiten nerven mich, weil sie zeigen, dass die Entwickler selbst Caylus wohl nicht zur Genüge gespielt haben oder es auch weiterhin zu tun wollen. So gibt es die wahnsinnig fetzige Möglichkeit in den Optionen, sein Facbook-Profil zu verknüpfen, aber keine Möglichkeit die Animationsgeschwindigkeit einzustellen. Eine Beschleunigung wäre echt cool gewesen. Und ist das Game Center als Unterstützung auch im Spiel, dann nur wegen ein paar Erfolge, die alle eher lauwarmer Natur sind.
Das klingt jetzt alles wie der absolute Verriss, was es aber eigentlich nicht sein soll. Ich kann mich an dem Spiel erfreuen und habe auch freudige Momente im Pass-n-Play-Modus unterwegs oder weit weg von meiner Brett-Version. Und ich sehe auch die Möglichkeit, all die Kritikpunkte noch auszubügeln. Es könnte halt nur viel besser sein - gleich von Anfang an.
Gönnen wir es dem polnischen Team von Big Daddy Creations, dass das Spiel erfolgreich genug ist, um die Ressourcen dafür locker zu machen. Und für eine komplette Übersetzung ins Deutsche. Als Zeichen guter Nachbarschaft.
für Tric Trac
- Hier hatten wir die Ankündigung für Caylus iOS.
