Skull & Roses gewinnt As d'Or
Geschrieben von Freitag, 25 Februar 2011 - 07:42

Nebenpreise: 7 Wonders, Kraken-Alarm


Frankreich hat gewählt: Gestern abend wurden im Palais des Festivals in Cannes die Sieger zur Wahl des französischen Spiel des Jahres verkündet. Aus der Nominiertenliste (hier nochmals zur Übersicht) mit ihren zehn unterschiedlichsten Titeln vergab die Jury den Hauptpreis, einen KInderspiel-Preis und einen Sonderpreis.

Dabei fiel die Wahl auch in Frankreich nicht leicht, denn wie auch bei uns ist dort die Auswahl an Neuheiten überwältigend. Die Lebendigkeit und Vielfalt der Szene ist es aber ebenfalls. Denn heutzutage überwinden die Spiele Grenzen und so, wie französische Spiele unser Angebot auflockern, sind deutsche Verlage oder zumindest Lizenzen auch in Frankreich präsent. Drei Spiele hatten wir deshalb im Rennen: Fresko, Kraken-Alarm und Razzo Raketo. Mit einer Ausnahme noch, Quirkle, war der Rest der Nominiertenliste frankophon. Warum auch nicht, ist ja schließlich ein französischer Preis und am heimischen Geschmack orientiert.

Den Preis für das beste Kinderspiel bekam Kraken-Alarm (Igelhaut, Kosmos), das in Frankreich von Filosofia verlegt wird. Nach dem Deutschen Spielpreis als bestes Kinderspiel und einer Nominierung zum Kinderspiel des Jahres ist die französische Auszeichnung die Schokoglasur auf der Sahnehaube mit Puderzucker für das niedliche Meeresabenteuer. Hier geht es darum, auf der Rundfahrt mit dem Forschungsschiff nach Meerestieren Ausschau zu halten und diese einzusammeln. Landet das Schiff auf dem Feld mit der Krake, wird eine Murmel an einem Faden geschwungen, die das Schiff in gefährliche Schieflage bringen kann.

Den Sonderpreis der Jury erhielt 7 Wonders (Bauza, Repos Prod) - wer hätt's gedacht. Immerhin war es schon vor seinem Erscheinen in Frankreich ein Hit, nachdem sich die Szene die Finger leckte. Und auch auf der Spiel 2010 in Essen ging der Hype weiter. Bis heute. Die erste Erweiterung wurde in Nürnberg gezeigt und heizt die Begeisertung weiter an. Das leichte Zivilisationsspiel weiß durch seine Einfachheit, gepaart mit einer thematischen Dichte Familien und Gernspieler zu überzeugen.
Eine kleine Besonderheit ist dann der Träger des Hauptpreises geworden: Skull & Roses (Marly, Lui-meme). Weder ein Spiel in einer kleinen Schachtel noch eines mit solch einer Böse-Buben-Grafik und Biker-Tara wurde je ausgezeichnet. Dafür ist Skull & Roses die Essenz eines Bluffspiels mit Strategie und Interaktion ohne viel Schnickschnack. Vier Kartonscheiben pro Spieler, von denen auch noch drei gleich aussehen - mehr braucht es nicht (Hier bereits vorgestellt).

Hochgezogene Augenbrauen gab es natürlich auch - ein guter Preis muss auch ein bisschen für Zank sorgen, schauen wir doch mal zurück auf die Diskussion im Dixit und das Spiel des Jahres. Skull & Roses ist in Frankreich erst seit gestern und bei uns seit knapp zwei Wochen erhältlich - ist es seriös, solch ein Spiel vor dem Erscheinen zu nominieren und dann auch noch gewinnen zu lassen?
Ich sag ja. Die Jurymitglieder hatten ausreichend Gelegenheit, es mit Vorabexemplaren und Testmustern bereits Wochen vor der Nominierung alle Spiele zu prüfen. Denn der As d'Or ist ja kein Publikumspreis. Und dennoch schienen manche Jurymitglieder davon so überzeugt zu sein, dass sie Skull & Roses unbedingt nominieren wollten - was ja nur für das Spiel spricht. Den normalen Familienspieler in Frankreich oder sonstwo juckt das Prozedere wenig. Er bekommt ein ausgezeichnetes Spiel.

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