Star Wars-Pandemie im Eigenbau
Geschrieben von Freitag, 15 Juli 2011 - 17:00

Gemeinsam gegen die Rebellenplage


Mal eine Frage an die Berliner unter den Lesern: Kennt ihr den Clemens? Der mit dem selbstgebauten Simpsons-Monopoly? Wer jetzt vor dem Rechner sitzt, laut „Ja“ sagt und dabei auch noch an Darth Vader, den Arzt von Coruscant denkt, der weiß, von wem ich rede. Alle anderen dürfen gerne weiterlesen und sich darüber informieren, wie ein Fan mit viel Hingabe sich sein eigenes Star Wars-Pandemie baute.

Ich habe mich nämlich mit Clemens in Chalmuns Cantina auf Mos Eisley zu einem mandalorianischen Tihaar getroffen und ihn gefragt, warum sich die Rebellen-Allianz eigentlich wie eine Seuche in der Galaxis ausbreitet und er das Problem spielerisch in den Griff bekommen will.

Tric Trac: Wie kommt man denn bitte auf die Idee, ein Star Wars-Pandemie zu basteln?
Clemens: Wo soll ich anfangen? Aus Lust und Laune habe ich vor einiger Zeit mal ein Simpsons Monopoly-Spiel mit viel Liebe zum Detail gebaut. Nur leider merkte ich schon nach dem ersten Spiel, weshalb ich Monopoly so lange nicht mehr gespielt hatte... Doch ich fand Gefallen daran und wollte ein Spiel nachbauen, das auch regelmäßiger gespielt wird! Nach der ersten Partie Pandemie war ich sofort begeistert. Vor allem das Genre der kooperativen Spiele war für mich seinerzeit neu. Ziemlich spontan fiel mir Star Wars als Thema ein.

TT: Jeder will bei einem Star Wars-Spiel natürlich die edlen Jedi, süßen Ewoks und beinharten Schmuggler spielen. Du nicht.
C: Zugegeben, auch ich hatte zunächst den offensichtlichen Gedanken, die gute Seite zu wählen und dem Imperator kräftig in den Hintern zu treten, aber irgendwie war diese Vorstellung nicht wirklich aufregend und neu. Wieso sollte das Imperium außerdem nur plötzlich auf vereinzelten Planeten auftauchen, wenn es doch bereits die Galaxis beherrscht? Insgesamt fand ich das alles nicht stimmig und eher langweilig. Deshalb war der Weg klar: Man übernimmt die Seite des Imperiums und bekämpft die Rebellen! Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Ideen sprudelten hervor. Das Thema passte einfach perfekt!! Das Universum war ausreichend groß und bekannt; es gab also genügend Charaktere, Raumschiffe und am wichtigsten: Bilder.

TT: Selber malen kam nicht in Frage?
C: Zwar kann ich selbst auch ganz gut zeichnen, aber meine Ideen und Vorstellungen hätte ich nicht so umsetzen können und deshalb durchstöberte ich das Internet nach geeigneten Bildern. Es gibt so unglaublich viele gute Künstler da draußen! Die meisten Bilder habe ich schließlich von einem Star Wars Trading Card Game übernommen.

TT: Mit Bildern ist es aber nicht getan. Das Thema muss ja auch in den Regeln angepasst werden.
C: Dann fing ich an, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich alle Karten, Rollen, Spielsteine und so weiter in das Star Wars-Universum übertrage. Natürlich wollte ich auch gleich die Regeln der Erweiterung Auf Messers Schneide einfügen.

TT: Und so breitete sich die geheime Rebellen-Allianz anstatt der Seuchen aus.
C: Das Ziel war klar. Alle Rebellenanführer müssen gefangen werden: Luke Skywalker, Leia, Han Solo, R2D2/C3PO und (als Erweiterung) Lando Calrissian/Schmuggler. Spielmechanisch habe ich das ähnlich wie im Original gelöst. Der Marker wird umgedreht und man sieht den gefangenen Anführer. Entfernt man den Marker vom Spielfeld ist der Anführer dann letztlich...


TT: ...Umgebracht worden?
C: Nun ja. „Unschädlich“ gemacht. Die Bilder dafür lagen auf der Hand und mussten nur gefunden werden: Also für Luke Skywalker ein Bild mit einem Rancor, dann noch Leia als Jabbas Sklavin oder Han Solo eingefroren in Carbonit.

TT: Und alles spielt vor langer Zeit, in einer Galaxie, weit weit entfernt?
C: Genau. Das Star Wars-Universum ist groß genug, um ausreichend Planeten zu finden. Die wichtigsten und aus den Filmen bekanntesten sollten natürlich mit dabei sein: Coruscant, Alderaan, Hoth, Tatooine, und so weiter. Da ich großen Wert auf Details lege, entsprechen alle Bilder den original Planetenbildern - jedenfalls soweit ich sie finden konnte. Die Planeten sind entsprechend der offiziellen Sternenkarte angeordnet. Um das Spielerlebnis nicht zu verfälschen sind die Verbindungen der Planeten allerdings mit denen des Original-Pandemie identisch.


TT: Anstelle der Seuchenwürfel bauen die Rebellen jetzt Basen?
C: Nein, Raumschiffe natürlich! Jeder Held bekam eine Farbe zugeordnet (schwarz passte nicht so gut bei einer Weltraumkarte) und als Symbol einen entsprechenden Raumschifftyp:
Luke Skywalker = Rot = X-Wing
Leia = Gelb = A-Wing
Han Solo = Grün = Y-Wing
R2D2/C3PO = Blau = B-Wing
Lando Calrissian/Schmuggler = Lila = Z95 Headhunter
Die Spielsteine wurden aus einem Besenstiel gesägt, angemalt und mit den Bildern der Raumschiffe beklebt.

TT: So so, aus einem Besenstiel gesägt. Ähnliche Mühen hast Du auch in die Karten gesteckt.
C: Auf den Spielerkarten habe ich alle möglichen Informationen über den jeweiligen Planeten untergebracht: Einwohnerzahl, wichtige Importprodukte, Geschichte des Planeten und noch mehr. Überhaupt nicht spielrelevant, aber das musste einfach sein! Als Quelle diente vor allem die Jedipedia - danke übrigens!

TT: Thematisch ausgetobt hast du dich dann bei den Rollen. Da schien manches perfekt zu passen.
C: Nehmen wir beispielsweise den Feldforscher, bei dem ein Seuchen-Würfel pro Runde auf die Rollenkarte gelegt wird. Das schrie förmlich nach Boba Fett, der als Kopfgeldjäger einen Rebellen nach dem anderen gefangen nimmt und so letztlich die notwendigen Informationen erhält (und damit nur 3 Karten benötigt, um einen Anführer einzufangen).
Oder nur Darth Vader konnte die Rolle des "Arztes" übernehmen und mit der Aktion "Seuche behandeln" (= Rebellen bekämpfen) alle Rebellen auf dem entsprechenden Planeten mit einem Schlag beseitigen. Als Spielfiguren mussten Miniaturen her und so kaufte ich mir die entsprechenden Figuren des Star Wars Tabletopspiels.


TT: Wie hast du den Umbau dann bei der Infektionsrate und der Ausbruchsanzeige gelöst?
C: Umgetauft in "Bedrohung" zeigt die Ausbruchsanzeige, wie hoch die Bedrohung durch die Rebellion ist. Auch hier habe ich ein für mich wichtiges Detail eingefügt: Im ersten Bild sieht man 2 X-Wing, im zweiten Bild 3 und im dritten 4. Die Anzahl entspricht jeweils den zu ziehenden Karten. Als Marker dient ein X-Wing von MicroMachines. Die Spitze zeigt jeweils auf den aktuellen Bedrohungsgrad.
Ich habe die Ausbruchsanzeige "Niederlagen" genannt. Die Bilder zeigen jeweils, wie irgendetwas zerstört wird, sei es ein Sternenzerstörer, die Executor oder was auch immer. Als Marker habe ich einen Millennium Falcon von MicroMachines genommen. Das letzte Bild zeigt schließlich den explodierenden Todesstern - sobald der Millennium Falcon dieses Bild erreicht endet das Spiel.


TT: Geforscht wird nun auf Sternenzerstörern.
C: Die Startposition ist im echten Pandemie Atlanta und dort steht anfangs ein Forschungslabor. Als Startposition habe ich natürlich den Todesstern gewählt und ein Todesstern-Modell gebastelt. Die fünf weiteren Forschungslabore sind Mini- Sternenzerstörer, wieder von MicroMachines.

TT: Und die anderen Karten, die es noch gibt? Ereignisse und Epidemien?
C: Viele Sachen passten bei den Ereigniskarten einfach so unglaublich gut:
- Die obersten sechs Karten ansehen = "Aufklärung" = Aufklärungsdroide
- Neue Rollenkarten aussuchen = "Neue Kommandostruktur" = Darth Vader und sein berühmter Würgegriff
- Eine andere Spielfigur bewegen = "Der Wille des Imperators" = Ein Bild vom Imperator
- Man darf bis zu 5 Seuchenwürfel nach dem Finden des Gegenmittels entfernen = "Das Verhör hatte Erfolg" = Leia und der Verhör-Droide
- Eine Infektionskarte permanent aus dem Spiel entfernen = "Ein Exempel statuieren" = Der Todesstern zerstört einen Planeten
Jede Epidemiekarte wurde in einen sogenannten "Großangriff der Rebellen" umgemünzt. Auf den Karten habe ich auch gleich die Regeln für den "virulenten Stamm" hinzugefügt, so dass man nicht noch weitere Karten benötigt. Die entsprechende Raumschiffstaffel (= Farbe) erhält fortan Unterstützung von General Ackbar.


TT: Und die anderen Regeln aus der Erweiterung „Auf Messers Schneide“ hast Du auch eingebaut?
C: Teilweise. Wie bereits erwähnt übernimmt Lando zusammen mit den Schmugglern die Rolle der Mutation. Irgendwie musste ich bei der Farbe Lila direkt an ihn denken... Den Bioterroristen habe ich nicht übernommen, da er mir keinen Spaß macht.


TT: Wie wird alles stilecht zum nächsten Spieleabend transportiert?
C: Alle Rebellenraumschiffe erhielten ihren eigenen Beutel (mit dem Symbol in der entsprechenden Farbe). Aufbewahrt wird das ganze Spiel im Karton meines Laptops (wirklich praktisch mit dem Griff... weshalb haben nicht alle Spiele einen?).

TT: Und natürlich stellt sich die Frage nach dem Arbeitsaufwand.
C: Insgesamt habe ich für alles geschätzte 6 Monate gebraucht. Ich habe aber nicht jeden Tag daran gesessen und zwischendurch auch mal ein paar Wochen Pause gemacht. Ja, arbeiten muss man ja auch noch. Entworfen und bearbeitet habe ich alles mit einem entsprechenden Programm. Eine Ausbildung dahingehend oder so habe ich nicht. Es sind alles im Laufe der Jahre autodidaktisch erworbene Kenntnisse. Ich habe einfach nur Spaß daran in meiner Freizeit kreativ tätig zu sein.
Zum Schluss danke ich noch einer ganz bestimmten Person für die Unterstützung! Und ein großes Dankeschön dafür, dass ich meine Version auf Tric Trac präsentieren darf.

TT: Du hast doch sicher Blut geleckt. Welches Spiel baust du als nächstes um?
C: Ich hoffe euch hat die Vorstellung von Star Wars-Pandemie gefallen! Meine Herr der Ringe-Version von einem anderen Kooperationsspiel (Castle Panic) ist fast abgeschlossen - ich muss nur noch die Figuren bemalen. Also vielleicht bis demnächst!

TT: Clemens, ich danke dir für das Interview. Der Imperator wird über deine Arbeit sicherlich sehr zufrieden sein. Ordnung und Gerechtigkeit zum Wohle der Gesellschaft!

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Neuste Kommentare

  • Darkpact

    Freitag, 15 Juli 2011 - 20:30

    Oh Mann und ich kenne Clemens nicht. Mit dem Spiel wäre ich bei meinen Amerikanischen Kollegen (welche das alte Star Wars CCG bei Decipher noch rausgebracht hatten) sowas von der coole Held.