
Steig ein beim Spieleproduzenten
Geschrieben von Guido Montag, 10 September 2012 - 11:48
Companyfunding für Luudoo
Crowdfunding war gestern. Der inzwischen des Spiele-Mitanschubsens müde gewordene Intensivspieler wendet sich trendbewusst größeren Zielen zu. Companyfunding heißt das Zauberwort. Luudoo (sprich "Luuduu") ist das Projekt einer kleinen Start-Up-Firma, die personalisierte Spiele macht. Für das Startkapital werden private Investoren gesucht. Ab 5 Euro ist man dabei. Wo? Auf Companisto, dem Kickstarter für Startups.
Hierbei vermischt Companyfunding gefühlt das Crowdfunding mit privater Aktionärstätigkeit. Die Teilnehmer fördern nämlich nicht nur die Gründung des jungen Unternehmens (das anfangs nur auf dem Papier besteht), sondern bekommen dafür auch Firmenanteile. Und, wie es sich auch gehört, damit Anteile am Unternehmenswert plus anschließender Dividenenausschüttungen. Ein Firmenanteil bei Luudoo entspricht 0,00071% der Gewinne. Juhu, macht die Firma also 1000 Euro Gewinn, bekommt man für einen Anteil 71 Cent. Bei einem Anteilspreis von 5 Euro rentiert sich das doch eigentlich schnell. Schon 2013 peilt das Team einen fünfstelligen Gewinn an.

Das Ganze funktioniert nach dem vom Crowdfunding her bekannten Prinzip: Über einen begrenzten Zeitraum kann jeder Interessierte Geld in das Projekt pumpen. Am Tag Null soll dann der zuvor gesuchte Minimalbetrag beisammen sein. Erst dann startet die Firma. Klappt es nicht, bekommt jeder sein Geld zurück. Das wollen wir natürlich nicht hoffen.
Ludofactur, die unternehmerische Seite dahinter, will personalisierte Versionen bekannter Spieleklassiker anbieten. Ein Puzzle mit Omas Konterfeit? Die Hochzeitsgäste auf einem Quartett? Rudis Carcassonne? Alles möglich. Selbst die Figuren lassen sich anpassen: Statt des stinknormalen Pöppels gibt es Fotos der Geschwister auf dem Holzsteinchen oder sogar richtige 3D-Büsten. Die neuste Generation von 3D-Software und -Druckern macht es bereits möglich.
Mit im Boot als Lizenzpartner sind Schmidt, Hans im Glück, Pegasus und Kosmos. Mit Amigo, Jumbo und Rio Grande (ich denke, es geht um Dominion) wird verhandelt. Weitere sind interessiert.
Geld verdienen will die Ludufactur über den Direktverkauf ihrer Spiele – immerhin geht es um Einzelposten, vielleicht auch mal um größere Stückzahlen für Unternehmen. Die Webseite mitsamt Shopsystem
ist bereits online. Die Unikate sind nicht ganz billig, aber auch nicht astronomisch überzogen. Sie sparen Zeit, schonen die Nerven und sehen professionell aus. Wer mal für die Hochzeit seines besten Freundes so ein Verwandtschafts-Memo selbst geschnibbelt und geklebt hat, weiß wovon ich spreche.
Kreuz-Bubenator is back!
Luudoo setzt vor allem auf sein Konzept der 3D-Gesichtserkennung. Die kann aus jedem Foto sowohl ein dreidimensionales Portrait zaubern, als auch Frontalfotos drehen – siehe den Kreuz Buben (der plötzlich aussieht wie Schwarzenegger. Irgendwie). Sowas gab es noch nie und ist für diesen Bereich optimal.
Insgesamt ist Luudoo derzeit noch über 50 Tage vom Ziel entfernt und hat bereits 100 Teilhaber, die über 8000 Euro zusammengetragen haben. Ich drücke dem Projekt die Daumen – und wer das unternehmerisches Engagement junger Leute unterstützen möchte, der möge ihnen Vertrauen schenken und ein wenig mitinvestieren. Übrigens: Wird das Unternehmen irgendwann verkauft, bekommt man gemäß seiner Anteile etwas vom Kaufpreis ab. Egal ob finanziell oder ideell - die Gründe, ein Luudoo-Companisto zu werden sind vielfältig.
Könnte das nicht auch ein Vorbild für neue Kleinstverlage sein?