
Und wie war 2011?
Geschrieben von Guido Donnerstag, 22 Dezember 2011 - 07:57
Der Rückblick der Leser
Dreimal werden wir noch wach, heissa, dann ist's Weihnachtstag. Wir lassen auch auf Tric Trac das Jahr gemütlich ausklingen, bevor ich heute Abend den Laden hier dichtmache und erst nach Dreikönig wiederkomme. Ja, richtig: Ihr müsst mal wieder zwei Wochen ohne mich auskommen. Wer mich und mein gutes Herz aber kennt, der weiß, dass es wieder etwas zu gewinnen gibt. Dazu aber an anderer Stelle mehr (Link
für ganz eilige).
Jede zweite Webseite bringt dieser Tage ihren Jahresrückblick. Und da auch in unserer Spieleszene bereits das Wichtigste gesagt wurde, muss ich nicht auch noch das gleiche hier nachplappern. Lasst uns lieber einen anderen Weg gehen: Zwar blicken auch wir zurück, geben uns versonnen und erinnern uns der schönen Dinge, die da kamen. Ich will mich in der letzten Woche vor Weihnachten aber nicht überarbeiten und stattdessen euch die Federführung überlassen: Zum großen, legen...- wartet... wartet... - ...dären Weihnachts-Spezial mit den Empfehlungen der Premiumleser und guten Freunde von Tric Trac! Wir fragen: Was habt ihr 2011 gerne gespielt, nicht unbedingt aus dem aktuellen Jahrgang. Und was war euer größter Flop? Ihr antwortet:
2011 – Jahr der Solospiele
Vielleicht lag es an diesen zwei einsamen Einsen in der Jahreszahl, aber 2011 war für mich das Jahr der Solo-Neuheiten. Denn neben den guten Gesellschaftsspielen der Vorjahre kam diesmal einiges für einsame Abende dazu.1. Onirim: Das Traumspiel von Shadi Torbey besticht für mich durch Einfachheit und die Vielzahl der Möglichkeiten mit gleich drei beinhalteten Erweiterungen. Optimal für diese Strohwitwerabende, an den man nicht zu viel nachdenken möchte, sich aber auch nicht völlig ins Traumland versinken lassen will. Übrigens auch zu zweit nett, mit den üblichen Kooperativ-Schwächen.
2. Freitag: Klar als Bremer und Freitag-Leser muss man dieses Spiel wohl einfach haben. Anderes als sein Vorgänger ist es aber wirklich knackig zu spielen. Das gelieferte Kartenmaterial macht es aber auch so zum Spaß, selbst wenn man nicht gegen Piraten und Gefahren zu bestehen weiß. Besonders interessant ist hier die Möglichkeit, seine Siege in Punkten zu quantifizieren und zu vergleichen.
3. Lonpos 505: Nicht wirklich ein Spiel, sondern eher ein Puzzle. War zusammen mit Snow Tails die Neujahrs- bzw. Weihnachtsanschaffung 2010/11. Eine Herausforderung für Groß und Klein, so dass selbst meine Kids es immer wieder gerne in die Hand nehmen. Und anderes als erwartet kann man es sogar gut zusammen lösen.
4. Snow Tails: Ich bin überhaupt kein Fan von Rennspielen, da diese meistens durch einen Gewinner und diverse gelangweilt Hinterherfahrende bestechen. Snow Tails hat mich aber schon in der ersten Vorstellung von Guido überzeugt und wurde so nach langem Zögern zu meinem ersten Racer im Spieleschrank. Und es hat sich gelohnt: Ich kenne kein zweites so gut balanciertes Spiel wie dieses. Immer hat man eine Chance, ohne dass man fies werden muss,… aber man kann.
5. Die Verbotene Insel: Hat das Spiel des Jahres zwar knapp verpasst, ist aber für mich eine gute Anschaffung als Familienspiel. Neben Selten-Spieler-Spielen wie Skip-Bo oder Phase 10, die so etwa die Spannung eines Abzählreimes besitzen, wirklich mal eine gute Gelegenheit, um Freunde und Kinder schnell und einfach ins kooperative Spielen einzuführen. Halt Pandemie-light.
Enttäuschung des Jahres? Klar gab es genug Spiele, die mich nach teils großer Ankündigung nicht überzeugt haben, wie Quarriors, PlateauX oder Mogel Motte aber da spielt vermutlich auch viel persönliche Neigung oder Abneigung rein.
Premiumleser Tim (Premiumleser kommen immer zu erst dran)
2011 - Jahr der Kartenspiele
1. Famiglia: Ganz klar mein Favorit des Jahres. In einer sehr kleinen Schachtel, die für die Anzahl und Dimension der Karten offensichtlich auch zu klein gewählt ist, versteckt sich ein ganz großes Spiel. Die jeweiligen Sonderfähigkeiten der verschiedenen Clans wollen klug genutzt werden, außerdem muss von Spielbeginn an darauf geachtet werden, dass man sich nicht selbst der Spielfähigkeit beraubt. Die Lernkurve ist spürbar, Neulinge sollten behutsam behandelt werden, aber nach zwei drei Partien entwickeln sich meist schon ein spannender Schlagabtausch. 2. Time's Up: Huch, Time's Up ist nun wirklich nicht mehr neu, aber ich habe dieses grandiose Partyspiel erst in diesem Jahr kennengelernt. Behutsam wurde es an die Opfer ... Mitspieler herangebracht, natürlich ohne von der dritten Runde zu erzählen. Denn Pantomime schreckt zu viele ab und dabei ist dies der witzigste Part des Spiels. Ich kann mich noch zu gut an die erste Partie erinnern, bei der von einer Person mindestens 4 mal eine James Bond-Szene nachgespielt wurde und der Partner einfach nicht auf Sean Connery kam. Ich kann mich nicht erinnern, ob bei einem anderen Spiel jemals so viel gelacht wurde.
3. Freitag: Schon wieder Friedemann Friese (wie schon mit Famiglia) und schon wieder ein Kartenspiel. Er hat hier ein Deckbauspiel für eine Person geschaffen, das auch noch richtig Spaß macht. Es weckt Ehrgeiz und ist dadurch fast schon suchterzeugend.
4. The City: Hm, man erkennt einen Trend, oder? The City schlug bei uns ein wie eine Bombe. Race for the Galaxy auf Speed, nicht trivial, enorm schnell und es macht einfach Spaß. PUNKT.
5. Stein Im Brett: Eine kleine Warnung vorweg: Ich bin mit dem Autor befreundet. Stein im Brett ist neben den anderen „großen“ Spielen bei Clemens Gerhards ein waschechtes Familienspiel. Über drei Runden wird das Spielbrett durch das Legen von überdimensionierten Smarties in sechs Farben gefüllt, zum Rundenende zählen nur isolierte Steine für den jeweiligen Besitzer der Farbe. Am Zug zieht man drei Steine verdeckt aus einem Säckchen und jedes mal versuchen die lieben Mitspieler die eigenen Züge mit tollen Tipps zu beeinflussen. Herrlich!
Mein Flopp 2011: Was klotzt du? Keine richtige Gurke, aber dieses Spiel hätte so viel mehr sein können. 2011 war für mich vor allem ein Jahr voller guter Partyspiele. Begriffe mit verschiedenen Bausteinen zusammenzubauen oder einfach nur zu zeigen ist eine tolle Idee, aber die Begriffe sind nicht sonderlich ausgefeilt, die Zeit der Sanduhr viel zu gering gehalten und als folge daraus kommt das Element des „Zeigens der Kategorie“ viel zu kurz. Sehr sehr schade!
Leser Stmountain
2011 - Jahr der Aufbauspiele
1. The City: Ein kleiner Überraschungshit, der sofort das Herz meiner gesamten Spielegruppe im Sturm erobert hat. Günstig in der Anschaffung, extrem portabel, und sehr einfach zu erlernen und erklären. Und dennoch steckt viel Spiel und eine Menge an taktischen Überlegungen in dieser kleinen Box. Es macht mir, nach nun weit über 20 Partien, immer noch genausoviel Spass wie beim ersten Spiel. Und selbst nach unzähligen Runden entdeckt man immer wieder neue schöne Kartenkombinationen. Auch ein tolles Mitbringsel mit unschlagbarem Preis/Leistungsverhältnis.
2. 7 Wonders: Letztes Jahr noch als Geheimtipp von der Messe mitgebracht, ist es inzwischen längst das neue Konsens-Spiel für Einsteiger bis Fortgeschrittene. Nach über 40 Partien stellen sich bei mir aber immer noch keine Abnutzungs- und Ermüdungserscheinungen ein. Schon gar nicht mit der gelungenen Leaders-Erweiterung, die das Spiel noch einen Tick strategischer machen kann. Darüber hinaus ist 7 Wonders mein mit Abstand meist-erklärtes Spiel (bis dato stolze 23 Personen, Provision anyone?). 3. Lancaster: Das überaus straffe Design hat mich von der ersten Partie an begeistert und fasziniert. Die Mechanismen sind, Eurogame-typisch, sehr eng verzahnt, und dennoch gibt es einige schöne Abweichungen von der Norm, die für die oftmals mangelnde Interaktion bei Spielen dieser Art sorgen, wie beispielsweise das konfrontative Einsetzen der Ritterfiguren oder die geheimen Abstimmungen über die Gesetze. Ein verkopftes Spiel im absolut positiven Sinne.
4. Helvetia: Das grosse Überraschungspaket, in gleich dreierlei Hinsicht: Zum einen war ich (positiv) überrascht, dass hinter dieser harmlos anmutenden Schachtelgrafik ein derart tiefgründiges Spiel lauert. Zum anderen war ich (ebenso positiv) überrascht, dass sich Kosmos getraut hat, einen solchen Vielspieler-Titel in ihr Programm mit aufzunehmen. Und zuguterletzt war ich einfach nur darüber überrascht, wie schlecht ich in diesem Spiel bisher abgeschnitten habe, und wie sehr es mich noch immer überfordert, um mich dann aber immer wieder aufs Neue zu reizen.
5. Sankt Petersburg: Zuletzt ein Spiel, zu dem ich offensichtlich sehr spät gekommen bin, dass mich dann aber umso mehr begeistert hat: Ein sehr elegantes Design, dass einfach zu erklären und zu spielen, aber nicht ganz so leicht zu meistern ist. Hier habe ich bisher eine beinahe makellose Bilanz vorzuweisen, und deshalb hatte ich persönlich natürlich eine grosse Freude daran, und gleichzeitig auch einen kleinen Trost für meine verkorksten Helvetia-Partien.
Die Enttäuschung(en) des Jahres: Die beiden kleinen Dominion-Erweiterungen Die Alchimisten und Reiche Ernte, die sich beide für mich sehr schnell als überflüssig herausstellten, sowie auch die etwas dunklere Seite des Erfolges von Dominion offenbart haben: Hier hat der ungebremste Feuereifer über die Lust am Verkauf von Folgeprodukten einfach nicht mit den Qualitätserwartungen standhalten können. Kein großer Schmerz aber, da ich als Abhilfe zur hervorragenden Blütezeit rate, die die Unzulänglichkeiten im Spielspass gleich doppelt und dreifach wieder ausgleicht.
Leser Elektro
2011 - Jahr des Qwarkstrudle
1. Die Burgen von Burgund: Ein schönes und vielseitiges Spiel, nicht nur wegen der unterschiedlichen Spielpläne sondern auch angesichts der verschiedenen Strategiemöglichkeiten, die einen auch in Bedrängnis, wenn einem sein Lieblingsplättchen vor der Nase weggeschnappt wurde, immer noch etwas Punkteträchtiges bauen lassen. Die opulente Ausstattung lässt das Spielerherz höher schlagen, wären da nur nicht diese Faaarbtöööne...
2. Qwirkle: Toll, dass es zur Abwechslung ein kurzweiliges und simples Legespiel verdientermaßen zu Ruhm und Ehre bringt. Bei Qwarkstrudle, wie wir das Spiel mit dem seltsam geschriebenen Namen kurzerhand umgetauft haben, startet man mit einem Minimum an Regeln direkt durch und kann Jung und Alt gleichermaßen begeistern. Allgemein wünschte ich mir bei minimalistisch gestalteten Spielen à la Uno, dass die Verlage gerade hier etwas mehr Rücksicht auf Spieler/-innen mit Farbsehschwäche nehmen würden, denn Spielsteine in Rot und dunklem Orange wie bei Qwarkstrudle trüben (im wahrsten Sinne des Wortes) den sonst tadellosen Eindruck ein wenig. 3. The Dwarf King: So schön ausgedehnte Brettspielabende auch sein mögen, so sehr schätzt man zwischendurch den spielerischen Quickie, am besten gleich mehrmals nacheinander. Man nehme ein Kartenspiel mit einer Mission, die die Spieler erfüllen sollten, füge einen Teelöffel Taktik hinzu (die ohnehin von den Kontrahenten frech durchkreuzt wird) und garniere das Ganze mit einer Prise Schadenfreude - fertig ist der englische Dwarf King, und der deutsche Zwergenkönig erblickt hoffentlich 2012 das Licht der Spiel. Nochmaaal!
4. Die Fürsten von Catan: Nicht nur optisch ist die Neuauflage des ehemaligen Catan-Kartenspiels rundum gelungen, auch die redaktionellen Änderungen und Vereinfachungen haben dem Zwei-Personen-Spiel richtig gut getan und die Dauer merklich verkürzt, ohne dass Spieltiefe oder -spaß darunter gelitten hätte (auch, wenn mancher eingefleischte Fan der Urversion das anders sehen mag). Bereits jetzt bieten Basisspiel und Erweiterungspackung fürs Turnierspiel richtig viel Abwechslung, und ob die Zauberei wieder nach Catan zurückkehrt oder gar ein ganz neues Themenset kreiert wird - man darf gespannt sein, was uns 2012 bringt; auf alle Fälle wird es ein ertragreiches Jahr, so oder so.
5. Hawaii: Wer über Weihnachten nicht dem trüben Alltag entflohen und in südliche Gefilde abgetaucht ist, kann mit Hawaii wenigstens ein bisschen Strandstimmung unter den heimischen Weihnachtsbaum bringen. OK, die eine oder andere Tanne musste für das ansehnliche Spielmaterial ihr Leben lassen, doch dafür wird der geneigte Spieler durch den variablen Aufbau Hawaiis bei jeder Inselerkundung mit neuen Konstellationen und Ereignissen belohnt. Die Schlusswertung kann man unter Umständen ad absurdum führen, wenn man sämtliche Plättchen in einer Zeile auslegt bis über das eigene Spielertableau hinaus, doch mit einer Hausregel sollte das leicht auszubügeln sein.
Ta-dada-tamm, mein Flop des Jahres ist ... keiner. Ich möchte keinen bestimmten Verlag oder Autor mit der goldenen Himbeere küren, denn einerseits kann man es zwar als Erfolg ansehen, wie sich die Spielebranche in den letzten Jahren gemausert hat, andererseits habe ich etwas Bauchschmerzen angesichts der Neuheitenschwemme, die rein quantitativ auch immer mehr produzierten Ausschuss an Land spült, aus dem ich jetzt kein Einzelexemplar herauspicken möchte, auf dass sich Autor und Verlag in Grund und Boden schämen sollten. Anstelle der Gurke des Jahres sabotiere ich lieber Guidos Top 5, spiele pfeilschnell meinen Pouic-Joker aus und ergänze stattdessen die Top 5 um einen weiteren Platz:
6. 7 Wonders: Das wohl unvermeidliche Kartenspiel des Jahres, das mir besonders in großen Vielspielerrunden Spaß bereitet und bei dem eine 7er-Runde voll auf ihre Kosten kommt, wenn Partyspiele wie Time's Up! oder Gift Trap keine Alternative darstellen. Fairy Tale hatte mir damals auch schon gefallen, und 7 Wonders ergänzt das bekannte Prinzip innovativ durch stimmige Elemente, ach, ihr kennt es ohnehin alle.
Apropos Gift Trap: ich wünsche Euch allen ein paar schöne, verspielte Feiertage. Auch, wenn sie dieses Jahr etwas ungeschickt fallen, sollte doch genügend Zeit bleiben, nach einem fürstlichen Qwarkstrudle bei einem Glas Burgunder sich frisch gestärkt auf die Insel zu machen und den wundervollen Zwergenkönig zu entdecken. Ich freue mich auch im neuen Jahr auf Eure zahlreichen, spaßigen Kommentare.
Leser Raccoon
Kann man diesen wunderbaren Meinungen noch etwas hinzufügen? Natürlich dürfen alle anderen auch in den Kommentaren ihre Lieblinge erklären.
Von unserer Seite hier gilt jedenfalls: Wir wünschen frohe Weihnachten mit gehaltvollem Essen und ebensolchen Spielerunden im Kreis eurer Freunde und Familien. Seid zwischen den Jahren schön faul. Und knallt nicht so viel an Silvester (oder der Sylvester). Wir sehen uns 2012 wieder.
Guido und das gesamte Team von Tric Trac