Unsere Vorhersage: Ab morgen im Laden
Geschrieben von Montag, 30 April 2012 - 08:35

Neu im Regal: Divinare


Nicht jeder kann hellsehen. Denn weil bislang noch niemand so richtig wusste, wie Divinare eigentlich geht, bin ich am Freitag noch zu Asmodee geradelt, um mir dort meine exklusive Ausgabe aus dem Lager zu stibitzen. Während also ab sofort der Wettstreit der Spiritisten in den Regalen steht, werfen wir schon mal einen Blick in Schachtel, Regeln und unsere Kristallkugel.

Asmodee setzte erstmals mit Mundus Novus auf das neue mittelgroße Schachtelformat; Divinare, wieder ein Kartenspiel, ist Nummer zwei der Reihe (wenn auch ohne eine derartige Nummerierung). Wo sind wir? In Lodnon. Wann? 1896. Am 17. November. Ein verregneter Dienstag. 
In einem Luxushotel haben sich die fünfzig berühmtesten Medien jener Zeit versammelt, um mittels eines Wettbewerbs den besten unter ihresgleichen zu küren. Wir springen in die Endrunde mit nur noch vier Teilnehmern: Rami Sakar, indischer Magier, Tzciska Parovic, Handlese-Talent aus Rumänien, John-Paul Kramer, Betrüger und Undercover-Journalist sowie Lord Edmund Fischner III., okkulter Gelehrter. 1000 Pfund und Ruhm im Dies- und Jenseits erwarten den Sieger.


Jeder Spieler spielt solch ein Medium, das versucht, die Anzahl der Karten aller vier Farben im Spiel korrekt vorauszusagen. Von den insgesamt 36 Karten werden pro Runde nur 24 benutzt – zu Beginn werden sie alle gemischt und 8 beiseite gelegt. Jeder Spieler bekommt 6 auf die Hand im Spiel zu viert. Wer am Zug ist, der legt eine Karte offen aus und bewegt am entsprechenden Brett seinen Marker auf ein beliebiges freies Feld, um anzuzeigen, wie viele Karten dieser Farbe seiner Meinung nach im Spiel sind. Dabei hilft natürlich zu wissen, dass es 6 rote, 8 blaue, 10 grüne und 12 gelbe Karten gibt. Jeder muss nun also für sich die Wahrscheinlichkeiten einschätzen, hellsehen können und das Verhalten der Mitspieler einschätzen. Am besten alles zusammen.

Noch mehr Einsichten gewähren die je nach Spieleranzahl unterschiedlichen Aktionskarten. Sie zeigen an, zu welchem Zeitpunkt im Spiel alle die Sonderaktion ausführen: Meistens muss man eine bestimmte Anzahl Karten an seinen Nachbarn weiterreichen. Das vermittelt nicht nur einen besseren Gesamteindruck über die im Spiel vorhandenen Karten, sondern dient auch dazu unerwünschte Karten loszuwerden – weil man das entsprechende Plättchen nicht bewegen will.
Wurden alle Karten gespielt, erfolgt die Wertung. Wer genau richtig lag, kassiert 3 Punkte. Wer auf der Tafel nur ein Feld daneben lag, noch 1 Punkt. Alle Falschtipper bekommen Punkteabzug. Bonusfelder (am Rand der Skala) geben zudem ein paar Extrapunkte. Nach vier Runden ist Schluss, wer nun die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

Alleine die Optik von Divinare macht schon viel her – ein bisschen viktorianischer Charme hier, ein wenig spiritistischer Firlefanz dort. Der Gesamteindruck des Materials ist äußerst hoch. Die Karten im extremen Hochformat lehnen sich an Tarot an, das Lesen im Kaffeesatz (und das in England!) nimmt die Sache aber dann nicht ganz so ernst. Thematisch bleiben wir allerdings in seichten Gewässern, obwohl die Illustrationen ihr Bestes geben. 
Divinare gewann den spanischen Autorenwettbewerb von Granollers 2011. Es ist ein waschechtes Bluffspiel mit einer wachsenden Menge an Information, ähnlich dem Spiel des Jahres 1993, Bluff. Verschärft wird die Idee dadurch, dass ein Spieler eine Karte ausspielen und dann dort auch seine Vorhersage anpassen muss. Da aber pro Feld immer nur der Marker eines Spielers erlaubt ist, sind auch die Sonderaktionen - das Weitergeben der Karten – essentiell, um den Gegnern fiese Zwänge aufzuerlegen, indem sie eine Karte spielen und so eine ihrer Ansicht nach korrekte Vorhersage ändern müssen. Bluffen ist also nicht alles, sondern auch taktisches Ausspielen der Karten und kluges "Draften".

Divinare ist ein Spiel von Brett J. Gilbert, illustriert von Benjamin Carré.
Erschienen bei Asmodee Für 2 bis 4 Medien ab 13 Jahren Preis: Rund 20 €


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