Berghain statt Guillotine

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Berliner verstehen doch eigentlich Spaß. Aber nicht, wenn es um das heilig-wummernde Berghain geht! Die Berliner Zeitung schrieb gestern, das Projekt liege derzeit auf Eis. Warum nur? Urheberrechte.

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...meldet die Projekt-Webseite

Es liegt also am Berghain selbst. Der Techno-Club schützt seine Werte und ist seit jeher auf Diskretion bedacht. Er will auch eigentlich nirgendwo hier draußen existieren. Drinnen gilt strengstes Kameraverbot. Insofern ist den Besitzern solch ein Spiel, vor allem weil es ja dank Tric Trac nun die halbe Welt kennt, vielleicht ein wenig unangenehm. Der Name jedenfalls gehört der entsprechenden GmbH - vermutlich wird das Spiel umbenannt.

Aber kauft das dann noch irgendwer? 

(Update am 8. Dezember 2016 via sebastianwenzel)


Artikel vom 18. November 2016: Der amtlich anerkannte Raver mit Hipsterbart und Keramik-Pillendöschen weiß um den kulturellen Wert des Berliner Berghain. Allein die Exklusivität des Clubs ist es wert, den Freitagabend zwei Stunden in der Schlange zu stehen, um dann vom Türsteher johlend nach Hause geschickt zu werden. Solch eine Erfahrung kann für manchen Techno-Kasper auch schon ausreichend bewusstseinserweiternd sein.

Die Schweden von Ninja Print bringen uns jetzt sogar dieses geile Feeling von "Deine zwei Kumpels dürfen rein, du aber nicht" auf den bergheimischen Spieletisch. Auf Kickstarter läuft noch bis in den Dezember rein Berghain ze Game

 

Die Inspiration lag offenkundig beim wunderbar fiesen Guillotine. Das ist das Spiel mit dem Pisspott-Buben. Französische Adelige stehen zu Zeiten der Revolution brav in Reih und Glied und warten darauf, als nächstes geköpft zu werden. Mittels Karten manipulieren die Spieler die Warteschlange, um möglichst "wertvolle" Adelige zu dekantieren.

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Hier stehen allerlei Menschen vor dem Berghain und wollen rein. Ein Sujet, das schon Beasty Bar aufgriff. Sogar die Optik gleicht sich. Wo beim Zoch-Spiel Tiere anstehen, sind es hier antropomorphe Gestalten, surreale Mensch-Tier-Mischwesen. Das simuliert sehr schön den Drogenrausch hämmernd-lauschiger Techno-Stelldicheins und ist gleichzeitig eine Verneigung vor der illustren Szene zwischen sexueller Freizügigkeit und Aufputschmittel - das Spiel ist ab 10, aber das ist sicher nicht die optimale Zielgruppe.

Hier sind wir nun der Türsteher, harter Typ Marke Sven Marquardt. Unser Job ist es, nur die richtigen Leute durch unsere volltätowierten Killerarme zu lassen. Wie bei Guillotine wird dank schwarzer Aktionskarten die Warteschlange verändert. Gäste bringen Punkte, interagieren mit anderen Gästen oder haben eigene Aktionen. Gleichfarbige Karten hintereinander werden zusammengelegt als eine Gruppe, die dann auch mehr Punkte bringt. 

 

Wer nun also schrillere Spiele mag und auch schon bei den Katzen, Babies oder heimlichen Diktatoren dabei war, der kann ja hier auch mal ein paar Schwedische Kronen abdrücken:



Kommentare (1)

  • Günter Cornett
    Dass es um Urheberrechte ginge, bezweifele ich. Denn woran sollen hier Urheberrechte geltend gemacht werden?
    Soweit es um den Namen Berghain geht, handelt es sich um Markenrechte.
    "Berghain Ze Game" dürfte diese sicher verletzen.
    "Trictrac.net - ze game" würde sicherlich auch nicht so ohne weiteres durchgehen.

    Was das restriktive Fotoverbot im Berghain betrifft, so dient es dem Schutz der Gäste, die nicht abgelichtet werden wollen, wenn sie mal ganz ungezwungen die Sau rauslassen. Ist doch nachvollziehbar.
    Übrigens giebt es auch im Zoo und in Museen Fotografierverbote bzw. -beschränkungen. Soweit ist das also gar nichts besonderes, nur dass es im Berghain nicht um die Vermarktung der Bilder, sondern um Diskretion geht.

    Markenrecht, Hausrecht, Persönlichkeitsrechte ... dass Urheber sich auchd amit auseinandersetzen müssen, macht das noch lange nicht zu Urheberechtsangelegenheiten.
    Wenn die Macher des Spiels sich darüber hinwegsetzen wollen, mag es deren Unerfahrenheit geschuldet sein.
    Satire oder eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Berghain müssen deren Betreiber sich dagegen gefallen lassen - wenn es sich denn darum handelt und wenn die Autoren und Verleger des Spiels in dieser Hinsicht etwas zu bieten haben.

    Übrigens: Kein Problem scheint das Berghain mit Zeichnungen aus dem Inneren zu haben:
    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/-hedo-berlin--das-spielt-sich-im-berghain-und-kitkat-tatsaechlich-ab-25019444
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