Crowdinvesting: Neue Ideen für Start-Up-Verlage?

Könnte dies der nächste Schritt für die Branche werden? Spieler erwerben Anteile am Verlag und helfen ihm dadurch raus aus den Kinderschuhen und rein in die Renn-Sneakers? Der US-Verlag Tasty Minstrel Games (TMG) jedenfalls scheint genau dies zu planen. Grund sind juristische Änderungen der US-Gesetzgebung, die dadurch Crowdinvesting (oder auch Crowdfunding Equity gennant) möglich machen.

Der US-Verlag, der hierzulande gerne mit Pegasus (Eminent Domain, Belfort) oder dlp Games (Weltausstellung, Yokohama) zusammenarbeitet, finanziert sich bei unseren amerikanischen Freunde weiterhin gerne via Kickstarter. Nun, so meldet der US-Branchendienst ICv2 auf Grundlage des Newsletters, bereitet TMG eine Kampagne vor und befragt vorab die Newsletter-Leser, ob daran Interesse bestünde.

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Mitte November meldete die Crowdfunding-Plattform Indiegogo, dass sie zusammen mit einem Online-Investmentportal zusammenarbeite und Crowdinvesting für Startups ermöglichen will. Erst seit Mai ist diese Form der Mini-Anlage in den USA weitreichend und weniger reguliert möglich. Anleger setzen einen kleinen Betrag ein und hoffen auf eine hohe Rendite. Das kann gut gehen, ist aber auch sehr riskantes Zocken. Normalerweise werden Unternehmen vor solch einem Beteiligungsvorhaben geprüft, bei diesen Kleckerbeträgen (die aber bis maximal 1 Mio. Dollar pro Jahr zusammenkratzen dürfen) entfällt sie aber. Scheitert das Unternehmen, ist die Kohle weg. Hierzulande schützt uns das ebenfalls recht frische  Kleinanlegerschutzgesetz, das den einzelnen Investitionsbetrag deckelt. 

Auf Indiegogo entscheidet das Unternehmen, wie viel Geld es sammeln möchte und wie viel ein Anteil kosten soll. Die Plattform selbst verlangt, dass ein Businessplan und regelmäßige Informationen angeboten werden. Überzeugt die Idee den Nutzer, investiert er nach eigenem Gusto. Meistens beginnt es bei 100 US-Dollar. 

 

fdbca856ea849821483e66a86a3064135714.pngWenn man darüber nachdenkt, was beim Crowdfunding alleine passiert und wie viel Geld dort gemacht wird, könnte einem fast schon schwindelig werden, wenn Spieler statt in Spiele nun in kleinere, neue Verlage investieren. Der Unterschied ist klar: Es ginge nicht mehr um konkrete Projekte, die man vorfinanziert, sondern um eine eher allgemeine Finanzspritze, mit der der Verlag dann machen kann, was er will: Personal erweitern, Spiele produzieren, Läden eröffnen. In den USA, wo noch viel Potential schlummert, könnte sich das tatsächlich lohnen. Und die Spieler? Sie fühlen sich nicht nur wie in einem echten 18XX-Spiel, wo sie Geld verdienen könnten, sondern helfen ihrem Hobby, langfristig weiter zu wachsen.

 

Tasty Minstrel Games sind der erste Spieleverlag, der das Modell probieren will. Auf Indiegogo gibt es schon einen Musikdienst, eine Brauerei und eine Softwareschmiede mit einem Online-Rollenspiel, die um Finanzierung bitten. 

Wer investiert, bekommt dafür auch Belohnungen. Das sind aber eher Danksagungen und kein echter Gegenwert. Vielmehr bekommt man mal regelmäßige Auszahlungen, mal wird versprochen, die Anteile zum anderthalbfachen Kaufwert zurückzunehmen, wenn alles auf stabilen Beinen steht. 



Kommentare (3)

  • ravn
    "Es ginge nicht mehr um konkrete Projekte, die man vorfinanziert, sondern um eine eher allgemeine Finanzspritze, mit der der Verlag dann machen kann, was er will ..."

    Da muss man entweder sehr mutig oder sehr vertrauensselig sein oder schlicht zu viel Geld haben. Besonders wenn es nur Versprechungen ohne rechtliche Absicherung gibt. Scheint eher eine Schenkung als ein Investment zu sein.
  • raccoon
    Hehe ravn, orakeln wir mal über das Tric-Trac-Apokalypse-Datum hinaus ein paar Jahre in die düstere Zukunft:

    +++ Breaking News bei Spiegel Online +++
    Boardgame Leaks - was mit dem Inve$t der Backer wirklich geschah,
    und was Sie als Backer jetzt wissen müssen - das Erklärformat!

    Manch ein Mäzen soll sich hemdsärmelig eine Handballmannschaft "gekauft" haben, andere springen dann mitten in der Saison wieder ab und Spieler, Verein und Finanzen stehen im Regen - von Backern und Dauerkartenbesitzern ganz zu schweigen...
  • darkpact
    Weltausstellung ist nicht TMG, sondern Renegade. :)
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