Das Quizspiel für den besorgten Bürger

Wem sagen die Namen Michel Goldmann und Max Hase etwas? Ich vermute niemandem. Das sind tatsächlich Autoren, aber nicht solche mit Prototyp und Verlags-Connection, ohne Spielmaterial.de-Account und Blankokarten. Vermutlich kennen die weder Tric Trac noch BGG noch den Begriff Eurogame. Das sind die Jungs des bösen Minderheitenquartetts. Waschechte Satiriker, die Mut mit Humor und Ehrlichkeit kreuzen.

Ihr neustes Werk geht noch einen Schritt weiter. Achtung, das ist was für Erwachsene mit ausgeprägtem Sinn für schwarzen Humor. Lasst also meinen Chef mit spaßbefreiten eMails in Ruhe.

Die beiden Leipziger drehen den Satire-Hahn so richtig auf und halten gleichzeitig besorgten Bürgern und mitlaufenden Bösmenschen den Spiegel vor den glattrasierten Schädel.

 

Das Spiel

Das Volk sitzt in der Geisterbahn. Aus dem Dunkel dröhnen islamische Weihnachtslieder und es geht steil bergab. Vollbremsung vor einem Flüchtlingsheim: Hunderte Asylanten missbrauchen das Sozialsystem und filmen die Orgie mit ihren Smartphones. An der nächsten Station führt ein schwuler Sportlehrer Dehnübungen an Schülern durch und gibt ihnen Hilfestellung beim Bockspringen. Dabei dringt er tief in die Seelen der Kinder ein. Die ersten Passagiere werden ohnmächtig, andere sind erregt. Scharfe Kurve links. Ein Journalist sitzt an einem Tisch und lügt. Dann ein Arzt. Er lauert einer Frau in der Tiefgarage auf und impft sie zu Tode. Jetzt der Looping durchs Weltfinanzsystem. Das Volk sieht Davidsterne. Viele haben sich beim Schreien vollgekotzt. 

Obwohl keines dieser Schreckgespenster real ist, regiert die nackte Angst. Die Betreiber der Geisterbahn, nennen wir sie Rechtspopulisten, sind mit ihrem Erfolg zufrieden. Denn sie wissen: Niemand ist leichter lenkbar, als ein besorgter Bürger.

Seehofer und Bachmann, Naidoo und Hermann: Was haben sie eigentlich gesagt und wie macht man als Rechtspopulist alles richtig? Im Spiel lernt ihr es.

30 Populisten, 150 Zitate und 200 Wörter stecken im Spiel. 

In den ersten Runden wird gesucht, wer was gesagt hat. Ein Zitat, vier Personen - wer war es wohl? Im "Book of Shame" stehen die Lösungen.

 

Dann geht es aber selbst los als Verschwörungstheoretiker und Stammtischparolist. Kampfbegriffe der Populistenszene werden aus einem schwarzen Sack gezogen: Multikulti, Impfen, Lobby, Chemtrails - und schon kann sie losgehen, die frohe und ganz persönlich eingefärbte Phrasen-Drescherei. Am Ende gibt es Punkte für die besten Sprüche.

 

Mehr steckt im Spiel nicht drin. Aber vielleicht erwächst dadurch im einen oder anderen ein Bewusstsein, dass unser schönes Abendland doch nicht dem Untergang geweiht ist und es dort draussen Leute gibt, die unsere niederen Instinkte eigentlich nur aus Egoismus zu kitzeln versuchen. 

Oder er steigt einfach aus dieser Geisterbahn aus. Das Zeitalter der Aufklärung ist ja anscheinend noch nicht überall abgeschlossen.

 



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