Gen Con: Nein zum Diskriminierungs-Paragraph

Default

Was wurde eigentlich aus dieser Geschichte? Bevor hier der Schlüssel unter die Fußmatte gelegt wird, verknoten wir die losen Enden. 

Schnell hatte sich die Politik darauf geeinigt, diese für die heimische Wirtschaft - und das Image der Stadt - schädliche Gesetz aufzuweichen. Trotzdem kann man so etwas nicht komplett aus der Welt schaffen und so schauten sich die Organisatoren der Gen Con nach Alternativen um. Zwar hatte man sich auf den Standort bis 2020 gebunden, aber danach könnte die Möglichkeit bestehen, in liberalere Gewässer zu schippern. Es gibt schließlich genug andere US-Städte, die LGBT-Menschen nicht aus religiösen Gründen diskriminieren. 

Nun wurden die Verträge auf die Zeit nach 2021 verlängert. Grund war ein frisches Gesetz, das diesen ganzen fundamentalistischen Mist so weit aufweicht, dass er eigentlich kaum noch wirksam ist. 

Dann kann im nächsten Jahr der runde 50. Geburtstag der Messe in Friede und Eintracht gefeiert werden. Von allen Besuchern.

421c888b05d9904f9e1e9340412f9dc8b329.jpe

(Update 2 am 9. Dezember 2016)


Die Geschichte hat Wellen geschlagen - nur nicht da, wo sie sollte: Während die Spieler weltweit hinter der Entscheidung der Gen Con stehen, bewegt sich dieser altbackene Gouverneur keinen Meter.

Der sagt nämlich, dass die anderen Staaten dies auch täten und man Personen eben bei der Ausübung ihrer Religion schützen will.

Leider etwas überzogen oder zumindest zu breit und diffus formuliert.

Denn in einem Absatz wird diese "Person" definiert: Gruppe, Firma, Organisation ...also jede juristische Person, wie man das bei uns nennt. Und diese Bill 101 kann immer herangezogen werden, wenn sich solch eine Person in der Ausübung ihrer Religion beeinträchtigt fühlt. Das Besondere: egal ob durch eine staatliche oder sonstige Behörde oder irgendwen sonst (Absatz 9). Im Klartext heißt das, dass das Gesetz nicht nur vor staatlichem Eingriff in die eigene Religionsausübung schützt (gut gemeint), sondern auch vor dem durch andere Personen.

Hier unterscheidet sich das Gesetz aus Indiana von allen anderen, weil es woanders wirklich nur um Streitfälle zwischen Personen und staatlichen Organen geht. Hier nicht. Wenn eine Person sich in ihrer religiösen Ausübung durch eine andere beeinträchtigt fühlt, ist das vom Gesetz abgedeckt. Und der konservative Händler sagt: Finger weg von meinem Gemüse, ihr zwei Herren dort. Noch gravierender ist, dass der US-Staat Indiana wiederum kein Gesetz hat, das explizit Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbietet.

Gouverneur Mike Pence hat sich inzwischen mit der Gen Con beschäftigt und versteht das alles als großes Missverständnis. Gen Con-CEO Adrian Swartout lässt aber nicht locker: Die Gen Con 2015 wird in Indianapolis stattfinden und zusammen mit dem Bürgermeister alles mögliche und nötige tun, um allen sexuellen Ausrichtungen ein Gefühl der Sicherheit und des Willkommenseins zu bieten.

Und einfach einen Zusatz an dieses Gesetz in Sachen religiöser Freiheit anzufügen, das Schutz vor genau solch einer altertümlichen Diskriminierung verlangt, wäre das denn zu viel? Genau diesen Schritt fordert die Gen Con jetzt zusätzlich.

(Update am 31. März 2015)


Artikel vom 25. März 2015: Na hoppla, das wird ja regelrecht politisch: Wie die Kollegen der Videospielseite Polygon schreiben, hat sich das Unternehmen, das alljährlich die US-amerikanische Großveranstaltung Gen Con ausrichtet, in einem offenen Brief an den republikanischen Gouverneur des Bundesstaates Indiana gewandt. Der Grund: Ein Gesetz mit dem Namen "Bill 101", das da wohl demnächst durchgewunken werden soll.

Das Gesetz 101 ist kontrovers: Unter dem Mantel "religiöser Freiheit" würde es per Gesetz Geschäftebesitzern im US-Staat Indiana erlauben, gleichgeschlechtliche Paare nicht zu bedienen. Da kann dann ein Händler sagen: "Schwule und Lesben bediene ich nicht, weil das gegen meine religiösen Vorstellungen ist". Das ist Diskriminierung unter aller Sau. Manche Menschen müssen das Zeitalter der Aufklärung wohl erst noch erfahren.

Dabei ist der Grundgedanke vielleicht nicht so blöd und doch eigentlich freiheitlich - immerhin sagt die Senate Bill 101, dass staatliche und örtliche Behörden es Menschen nicht bedeutend erschweren dürften, ihre Religion auszuüben. Es sei denn, es gibt schwerwiegende Gründe dagegen. Jeder darf beten und leben wie er will. Aber halt auch die ganz extremen. Und die, die sagen "In der Bibel steht: Schwul ist Sünde". Die Religionsfreiheit des einen kann also die allgemeinen Lebensumständen des anderen dramatisch einschränken.

Damit nicht genug: Wie der Indy Star schreibt, erwägen 19 andere US-Staaten ähnliche Gesetze. Und der Gouverneur von Indiana ist deutlich dafür. Das wollen die Gen Con-Verantwortlichen so nicht durchgehen lassen und bitten ihn, einzuschreiben. Er kann das Ding stoppen.

Denn: Würde man sich als Besucher der Gen Con in solch einem Staat denn noch willkommen fühlen, wenn dir und deinem Freund womöglich ein Restaurantbesitzer die Tür zeigt? Wohl kaum.

An vier Tagen im Jahr kommen regelmäßig 56.000 Besucher aus 40 verschiedenen Ländern und allen US-Staaten nach Indianapolis zur Gen Con. Wenn das Gesetz in Kraft treten sollte, wird die Gen Con LLC sicher überlegen, ob dann nicht einfach woanders gespielt wird:

Gen Con proudly welcomes a diverse attendee base, made up of different ethnicities, cultures, beliefs, sexual orientations, gender identities, abilities, and socio-economic backgrounds. We are happy to provide an environment that welcomes all, and the wide-ranging diversity of our attendees has become a key element to the success and growth of our convention.

Legislation that could allow for refusal of service or discrimination against our attendees will have a direct negative impact on the state's economy (...).

We ask that you please reconsider your support of SB 101.

Adrian Swartout, CEO der Gen Con LLC

Über zehn Jahre ist die Gen Con - nach ihrem Umzug aus Lake Geneva in Wisconsin - schon vor Ort und bringt Indianapolis geschätzte 50 Mio. Dollar Umsatz durch Übernachtungen, Verzehr, Transport und was sonst noch alles. Das würde ein herber wirtschaftlicher Schlag.

Man stelle sich nur vor, die SPIEL in Essen würde wegen bekloppter örtlicher Regeln umziehen. Ich glaube, das täte der Stadt schon weh.

Ich glaube der Gen Con LLC ist nicht wirklich was an der Stadt gelegen - die können ihre Veranstaltung überall organisieren - aber vor allem das Signal für Toleranz und Offenheit ist heute wichtiger denn je. Bravo!

via Polygon.



Kommentare (1)

  • Felix G
    Na dann ist ja alles weihnachtlich. Bzw.: mit Warnschuss! Nur um ein Jahr über die laufenden Verträge hinaus. Völlig Begeisterung sieht anders aus.
Aucune publicité commerciale, ou nom de boutique ne sera toléré dans cet espace. Nous nous accordons le droit de supprimer tout message.
Default